AI ACTOKT 2025

Ihr Software-Vertrag läuft bis 2026? Dann haben wir ein Thema.

Daniel Kleiboldt — Legal Engineer

Auf einen Blick

  • 01Ab 2. August 2026 gilt der EU AI Act voll — Hochrisiko-KI in der Medizin betroffen
  • 02Entscheidend ist die Zweckbestimmung: Dokumentiert die KI nur, oder beeinflusst sie Entscheidungen?
  • 03Vor Vertragsverlängerung prüfen: Ist Ihr Anbieter 2026 noch konform?

2. August 2026. Das klingt nach ferner Zukunft. Für den Praxisalltag ist das eine Ewigkeit. Aber für Ihre IT-Strategie ist es morgen.

An diesem Stichtag greift der EU AI Act voll durch. Und wenn Sie heute Software einkaufen oder Lizenzverträge verlängern, die über dieses Datum hinauslaufen, sollten Sie jetzt genau hinschauen.

Denn viele Tools, die heute noch als "innovative Assistenzsysteme" verkauft werden, wachen 2026 in einer neuen Realität auf: Sie sind plötzlich regulierte Hochrisiko-Systeme.

Was das Gesetz eigentlich will

Der AI Act teilt KI nicht nach Intelligenz ein, sondern nach Risiko. Und Medizin ist — wenig überraschend — fast immer Hochrisiko. Das bedeutet für die Hersteller: Massive Anforderungen an Transparenz, Dokumentation und menschliche Aufsicht.

Aber hier liegt das Detail, das Ihnen kaum ein Vertriebler erzählt: Nicht jede KI in der Praxis ist automatisch betroffen. Es kommt nicht auf die Technik an. Es kommt auf den Zweck an.

Die entscheidende Frage: Schreibt sie nur, oder denkt sie schon?

Die Grenze ist dünn, aber juristisch messerscharf.

Ein Beispiel: Ein Diktiersystem, das Ihre gesprochenen Worte in Text umwandelt, ist ein Werkzeug. Es dokumentiert. Risiko: Niedrig. Ein System, das aus Ihren Notizen mitliest und automatisch Diagnosevorschläge oder Therapieoptionen generiert, ist eine Entscheidungshilfe. Risiko: Hoch.

Die Grenze verläuft genau dort, wo die Software aufhört, Sekretär zu sein, und anfängt, Assistenzarzt zu spielen. Sobald klinische Entscheidungen beeinflusst werden, greifen die strengen Regeln.

Was Sie jetzt tun müssen

Wenn Sie gerade dabei sind, Ihre Praxis zu digitalisieren, stellen Sie Ihrem Anbieter eine simple Frage: "Wie ist die Zweckbestimmung Ihrer Software nach dem AI Act definiert?"

Es gibt zwei mögliche Reaktionen.

Die gute: Der Anbieter legt Ihnen eine Roadmap vor, wie er bis 2026 die Konformität sicherstellt. Die schlechte (und häufige): Betretenes Schweigen.

Spoiler: Wenn Ihr Anbieter nicht weiß, ob sein Produkt in 18 Monaten noch legal betreibbar ist, sollten Sie keinen 24-Monats-Vertrag unterschreiben.

Der AI Act ist keine bürokratische Schikane, um Ärzte zu ärgern. Er ist eine Chance zur Professionalisierung. Er zwingt den Markt, die "Black Box" zu öffnen.

Wer jetzt plant, hat 18 Monate Vorsprung. Das ist genug Zeit, um die Spreu vom Weizen zu trennen. Nutzen Sie sie.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Wann tritt der EU AI Act für Arztpraxen in Kraft?

Der EU AI Act greift ab dem 2. August 2026 voll durch. Wenn Sie heute Software einkaufen oder Lizenzverträge verlängern, die über dieses Datum hinauslaufen, sollten Sie die AI-Act-Konformität des Anbieters jetzt prüfen.

Ist jede KI in der Arztpraxis automatisch ein Hochrisiko-System nach dem AI Act?

Nein, es kommt auf den Zweck an, nicht auf die Technik. Ein Diktiersystem, das nur Sprache in Text umwandelt, ist Niedrigrisiko. Sobald eine KI Diagnosevorschläge oder Therapieoptionen generiert, gilt sie als Hochrisiko-System.

Wo verläuft die Grenze zwischen Niedrigrisiko- und Hochrisiko-KI im Gesundheitswesen?

Die Grenze liegt dort, wo die Software aufhört, Sekretär zu sein, und anfängt, Assistenzarzt zu spielen. Sobald klinische Entscheidungen beeinflusst werden, greifen die strengen Hochrisiko-Regeln des AI Act.

Welche Frage sollte ich meinem KI-Anbieter zum AI Act stellen?

Fragen Sie: "Wie ist die Zweckbestimmung Ihrer Software nach dem AI Act definiert?" Ein guter Anbieter legt eine Konformitäts-Roadmap vor. Betretenes Schweigen ist ein Warnsignal — vor allem bei laufenden Verträgen.

Soll ich trotz des AI Act neue KI-Software für meine Praxis kaufen?

Ja, aber prüfen Sie vorher die AI-Act-Readiness des Anbieters. Unterschreiben Sie keinen 24-Monats-Vertrag mit einem Anbieter, der nicht weiß, ob sein Produkt 2026 noch legal betreibbar ist.

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