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Kann KI Arztbriefe
schreiben?

Stand · EU AI Act i.d.F. der Digital-Omnibus-Verordnung (EU) 2026/1744
Kurzantwort

Ja. Das Werkzeug hört entweder das Gespräch mit oder liest, was ohnehin in der Akte steht, und legt daraus einen fertig formulierten Entwurf vor. Der Brief ist damit noch nicht fertig, denn Sie lesen ihn gegen Befund, Laborwert und Medikationsplan und geben ihn frei. Diese Prüfung nimmt Ihnen kein Werkzeug ab.

Rechtlich bleibt es Ihr Brief. Sie haften nach § 630a BGB unverändert, und die Freigabe gehört so dokumentiert, dass sie später erkennbar ist. Ob darüber hinaus Pflichten aus dem EU AI Act entstehen, entscheidet die Zweckbestimmung des Werkzeugs. Formulieren allein löst sie nicht aus, Kodieren und Bewerten kann es. § 203 StGB schließt privat geführte Konten für Patientendaten in jedem Fall aus, und in der Kassenpraxis braucht das Werkzeug zudem ein C5-Testat nach § 393 SGB V.

01Werkzeuge

Vier Wege, und einer steckt vielleicht schon in Ihrer Praxissoftware.

Wer zum ersten Mal danach sucht, findet vier verschiedene Dinge unter demselben Begriff. Sie unterscheiden sich darin, woher der Text kommt und wer den Vertrag hält.

Das Dokumentationsmodul der PraxissoftwareMehrere Praxissysteme haben ein eigenes Dokumentationsmodul im Programm, buchbar als Erweiterung zum bestehenden Vertrag. Das ist die kürzeste Strecke, weil die Anbindung an die Akte steht und der Vertragspartner derselbe bleibt. Wo dabei verarbeitet wird und was das Modul für sich beansprucht, steht im Modulvertrag und nicht im Hauptvertrag. Bevor Sie einen neuen Anbieter prüfen, lohnt der Blick auf das, was Sie ohnehin lizenziert haben.
Das mithörende ZusatzprogrammEin eigenes Programm läuft auf Rechner oder Telefon mit, hört das Anamnese- oder Entlassungsgespräch, ordnet es in Anamnese, Befund und Plan und legt einen Entwurf ab. Es ist von der Praxissoftware unabhängig, was die Auswahl vergrößert und eine Schnittstelle nötig macht, damit der Entwurf nicht über die Zwischenablage in die Akte wandert.
Das Entwurfswerkzeug aus der vorhandenen DokumentationHier hört nichts mit. Das Werkzeug nimmt, was ohnehin dokumentiert ist, also Notizen, Laborwerte und Befunde, und formuliert daraus den Brief. Im Sprechzimmer läuft nichts anders als bisher. Für Praxen, die strukturiert dokumentieren, ist das der kleinste Eingriff in den Ablauf.
Der allgemeine Chatbot, und warum er ausscheidetDas Sprachmodell im Browser ist der vierte Weg und der einzige, der für Patientendaten ausfällt, solange er über ein privat geführtes Konto läuft. Es fehlen der Auftragsverarbeitungsvertrag und die Kontrolle über die Aufbewahrung, und die Schweigepflicht steht daneben. Auch Team- und Enterprise-Zugänge tragen in der Kassenpraxis derzeit nicht, weil ihnen das C5-Testat nach § 393 SGB V fehlt.
02Alltag

Was sich im Praxisalltag ändert, und was bleibt.

Der Entwurf liegt vor, bevor Sie sich hinsetzenHeute entsteht der Brief nach der Sprechstunde, aus Notizen, die einige Stunden alt sind. Mit einem Dokumentationswerkzeug liegt der Entwurf vor, wenn der Patient das Zimmer verlässt. Die Arbeit verschiebt sich vom Formulieren zum Prüfen und zeitlich nach vorn, also in den Moment, in dem Sie den Fall noch im Kopf haben.
Der Review kommt neu dazuWas das Werkzeug abgibt, ist Material und noch kein Dokument. Der Abgleich gegen Befund, Laborwert und Medikationsplan bleibt Ihre Arbeit, und er dauert in den ersten Wochen länger als das Schreiben vorher. Wer diese Zeit einplant, erlebt eine Umstellung; wer sie nicht einplant, erlebt eine Enttäuschung.
Sprache und Aufbau werden gleichförmigerDas Werkzeug hält Reihenfolge, Formalien und Terminologie über viele Briefe hinweg gleich und übersetzt zwischen Facharzt- und Hausarztduktus. Für die Empfänger ist das der spürbarste Unterschied. Für die Praxis ist es der Grund, warum Vorlagen und Vorgaben am Anfang Aufmerksamkeit brauchen.
Wie viel Zeit das spart, ist offenAnbieter nennen Größenordnungen um eine knappe Stunde am Tag. Belastbare unabhängige Zahlen für den deutschen Praxisalltag gibt es bislang nicht, und die Spanne hängt an Fachrichtung, Briefaufkommen und Anbindung an die Praxissoftware. Wer eine Zahl braucht, misst sie über zwei Wochen im eigenen Betrieb.
03Grenzen

Drei Dinge, die KI nicht leistet und die Sie nicht delegieren können.

Die finale inhaltliche VerantwortungEin Sprachmodell kann nicht wissen, ob der Befund zum klinischen Gesamtbild passt, ob eine Differenzialdiagnose übersehen wurde oder ob ein Laborwert zu einer anderen Medikation führen müsste. Der ärztliche Review bleibt Pflicht und ist das eigentliche Produkt.
Halluzinationen bei dünner DatenlageWenn die zugrunde liegende Dokumentation lückenhaft ist, füllt das Modell die Lücken bevorzugt mit plausibel klingenden, aber erfundenen Details, also Dosierungen, Werten und Befunden, die nie erhoben wurden. Diese Fehler sind besonders gefährlich, weil sie sprachlich perfekt eingebettet sind.
Compliance mitdenkenKein Werkzeug liefert Ihnen die eigene Einordnung mit. Welche Pflichten überhaupt entstehen, entscheidet die Zweckbestimmung des Produkts, und die Datenschutz-Folgenabschätzung nach Art. 35 DSGVO sowie die dokumentierten Maßnahmen nach Art. 4 EU AI Act bleiben in jedem Fall bei Ihnen. Beides gehört vor den Rollout, nicht danach.
04Eignung

Woran Sie merken, ob sich das für Ihre Praxis lohnt.

Wie viele Briefe am Tag entstehenDer Nutzen wächst mit Menge und Gleichförmigkeit. Bei zwei ausführlichen Briefen am Tag fällt er kaum ins Gewicht, bei fünfzehn Standardbriefen ist er die Zeit, die heute nach der Sprechstunde anfällt.
Wie gleichförmig die Sprechstunde läuftStandardkonsultationen mit wiederkehrendem Aufbau lassen sich gut vorstrukturieren. Lange, verzweigte Gespräche mit vielen Nebenbefunden liefern Material, das Sie am Ende ohnehin selbst ordnen.
Ob das Werkzeug in Ihre Software hineinreichtOhne Anbindung wandert jeder Entwurf über die Zwischenablage. Das kostet den Zeitgewinn wieder auf und erzeugt eine zweite Ablage neben der Behandlungsakte.
Wer außer Ihnen damit arbeitetMFA und Kollegen brauchen dieselbe Einweisung wie Sie, und geschuldet ist sie ohnehin. Ein Werkzeug, das nur eine Person bedienen kann, bleibt im Alltag liegen.
Was der Einstieg über den Preis hinaus kostetDer Preis steht im Angebot, der Aufwand nicht. Planen Sie eine Einführungszeit ein, in der die Vorlagen auf Ihre Briefe zulaufen, der Review länger dauert als das Schreiben vorher und jemand die Rückfragen des Teams beantwortet.
05Ablauf

Sechs Stationen vom Gespräch bis zur Unterschrift.

Die Eingabe entstehtZwei Bauweisen, zwei Ausgangslagen. Entweder hört das Werkzeug das Gespräch mit, oder es formuliert aus dem, was ohnehin in der Behandlungsakte steht. Die erste Bauweise erzeugt eine zusätzliche Verarbeitung, über die die Patienten nach Art. 13 DSGVO zu informieren sind, und sie erweitert den Kreis derer, die vom Gespräch Kenntnis nehmen können. Behandlung und Dokumentation brauchen dafür keine Einwilligung, sie stehen auf Art. 9 Abs. 2 lit. h DSGVO in Verbindung mit § 22 Abs. 1 Nr. 1 lit. b BDSG. Die Aufnahme selbst ist eine eigene Frage, und der tragende Grund, vorher zu fragen, ist § 201 StGB und nicht der Datenschutz. Die zweite Bauweise stellt diese Frage gar nicht. Dass das Audio nicht aufbewahrt und das Transkript nach Stunden gelöscht wird, ist eine Zusage des Anbieters und keine Eigenschaft der Technik; sie gehört in den Vertrag und in das Verzeichnis der Verarbeitungstätigkeiten.
Der Entwurf entstehtDas Modell füllt Lücken, weil es darauf trainiert ist, Text zu vervollständigen. Wo die Dokumentation dünn ist, entstehen Dosierungen, Werte und Verläufe, die nie erhoben wurden, sprachlich einwandfrei eingebettet. Der Entwurf ist an dieser Stelle kein Dokument, sondern Material.
Der ärztliche ReviewHier liegt die eigentliche Leistung, und hier wird am häufigsten falsch geprüft. Wer den Entwurf auf Plausibilität liest, prüft genau das, was das Modell am besten kann. Tragfähig ist allein der Abgleich gegen die Quelle, also gegen Befund, Laborwert und Medikationsplan. Für Routinebriefe lässt sich das auf wenige Felder eingrenzen, und genau diese Eingrenzung gehört schriftlich festgelegt.
Die Freigabe wird sichtbarArztbriefe gehören nach § 630f Abs. 2 BGB in die Behandlungsakte, dort sind sie ausdrücklich genannt. Für die spätere Beweislage zählt, dass Zeitpunkt und Person der Freigabe erkennbar bleiben und spätere Berichtigungen nach § 630f Abs. 1 BGB als solche erkennbar sind. Die Vermutung des § 630h Abs. 3 BGB greift nur für medizinisch gebotene wesentliche Maßnahmen und ist eine Vermutung und keine Fiktion; sie ist trotzdem der Grund, aus dem die Freigabe protokolliert gehört und nicht bloß stattfindet.
Was das Werkzeug nebenbei vorschlägtKodier- und Ziffernvorschläge sind eine andere Gattung als Formulieren. Die Abrechnungssammelerklärung hat nach ständiger Rechtsprechung des Bundessozialgerichts Garantiefunktion, und sie knüpft an die Person des Vertragsarztes und nicht an den Erstellungsweg der Ziffer. Schon ein einziger unrichtiger Behandlungsausweis macht sie unrichtig. Ein Assistent, der Ziffern selbst einträgt statt sie vorzulegen, verschiebt die Prüfung hinter die Handlung, während die Erklärung am Quartalsende unverändert bleibt.
Wer die Vorlage ändertWerkzeuge mit offenem Eingabefeld laden dazu ein, die Briefvorlage selbst umzubauen, und in Nutzergruppen werden solche Vorlagen getauscht. Wer den Prompt ändert, ändert das Produkt. Was der Hersteller zugesichert hat, seine Validierung und seine regulatorische Einordnung, gilt für diese Nutzung nicht mehr. Erzeugt die eigene Vorlage eine klinische Bewertung, also Befund, Diagnose oder Risikoeinschätzung, ist die Zweckbestimmung eines Medizinprodukts berührt, und die CE-Kennzeichnung des Herstellers deckt sie nicht.
06Rahmen

Vier Punkte, die beim KI-Arztbrief zusammenkommen.

Zuerst die Einstufung, dann die PflichtenFür ein reines Formulierungswerkzeug greift Art. 26 EU AI Act nicht, weil die Betreiberpflichten Hochrisiko-KI voraussetzen. Bringt das Werkzeug dagegen inhaltliche Schlussfolgerungen ein, etwa Kodier- oder Therapievorschläge, ist zuerst Regel 11 MDR zu prüfen. Wird es dadurch CE-zertifizierte Medizinprodukte-Software, ist es über Art. 6 Abs. 1 in Verbindung mit Anhang I Hochrisiko-KI, und Art. 26 gilt ab dem 2. August 2028. Anhang III ist hier nicht einschlägig, und eine Grundrechte-Folgenabschätzung nach Art. 27 fällt auf dieser Route nicht an.
Art. 4 AI Act, KI-KompetenzSeit Februar 2025 sind Maßnahmen zur KI-Kompetenz für alle Personen geschuldet, die mit dem Werkzeug arbeiten, also Ärzte, MFA und MVZ-Management, und die Maßnahme muss dokumentiert sein. Seit dem Digital Omnibus ist ausdrücklich klargestellt, dass kein bestimmtes Kompetenzniveau garantiert werden muss. Für Arztbrief-Werkzeuge sollte die Schulung die häufigsten Halluzinationsmuster und das Review-Vorgehen ausdrücklich behandeln.
§ 630a BGB, ArzthaftungDie zivilrechtliche Haftung bleibt vollständig beim behandelnden Arzt. Eine KI-Delegation kennt das Behandlungsrecht nicht, ein KI-Arztbrief ist haftungsrechtlich Ihr Arztbrief. Fehlt die Dokumentation der fachlichen Prüfung, greift die Vermutung des § 630h Abs. 3 BGB, wonach eine nicht dokumentierte Maßnahme als nicht getroffen gilt.
§ 203 StGB, SchweigepflichtSobald identifizierbare Patientendaten in ein Werkzeug fließen, ist die Schweigepflicht berührt. Befugt ist die Offenbarung an den Dienstleister nach § 203 Abs. 3 Satz 2 StGB, wenn sie erforderlich ist und die Verpflichtung nach Abs. 4 bis zum letzten Unterauftragnehmer durchgereicht wird. Der Grad der Auslagerung, also Cloud, Drittland und Trainingsnutzung, entscheidet über den Aufwand. Privat geführte Konten scheiden aus.
07Vor der Unterschrift

Zwölf Fragen, die Sie vor dem Vertrag stellen.

Zuerst das C5-Testat des Anbieters nach § 393 SGB V, dann die Verpflichtung auf die Schweigepflicht bis zum letzten Unterauftragnehmer und die Zweckbestimmung. Danach Audio und Löschfristen, der Weg zur Freigabe, die Anbindung an die Praxissoftware und was bei einem Ausfall des Anbieters geschieht.

08Fragen

Was Praxen zum KI-Arztbrief fragen.

01Welche Arten von KI-Werkzeugen für Arztbriefe gibt es?

Vier, und sie unterscheiden sich darin, woher der Text kommt und wer den Vertrag hält. Das Dokumentationsmodul der Praxissoftware ist die kürzeste Strecke, weil die Anbindung an die Akte schon steht. Das mithörende Zusatzprogramm nimmt das Gespräch auf, ordnet es in Anamnese, Befund und Plan und legt einen Entwurf ab. Das Entwurfswerkzeug formuliert aus der vorhandenen Dokumentation, ohne mitzuhören. Der allgemeine Chatbot im Browser ist der vierte Weg und für Patientendaten über ein privat geführtes Konto nicht gangbar, weil Auftragsverarbeitungsvertrag und Kontrolle über die Aufbewahrung fehlen.

02Ab wann lohnt sich ein KI-Werkzeug für Arztbriefe?

Der Nutzen hängt am Briefaufkommen, an der Gleichförmigkeit der Sprechstunde und daran, ob das Werkzeug in die Praxissoftware hineinreicht. Bei wenigen, ausführlichen Briefen fällt er kaum ins Gewicht. Bei vielen Standardbriefen liegt er in der Zeit, die heute nach der Sprechstunde anfällt. Anbieter nennen Größenordnungen um eine knappe Stunde am Tag. Belastbare unabhängige Zahlen für den deutschen Praxisalltag gibt es bislang nicht, deshalb ist eine Messung über zwei Wochen im eigenen Betrieb die verlässlichere Grundlage.

03Darf ich als Arzt KI nutzen, um Arztbriefe zu schreiben?

Ja, grundsätzlich, aber unter Auflagen. Sie bleiben nach § 630a BGB für Inhalt und Richtigkeit verantwortlich und prüfen jeden Entwurf, bevor er hinausgeht. Ein privat geführtes Konto bei einem Sprachmodell scheidet für Patientendaten aus. In der Kassenpraxis braucht ein Cloud-Werkzeug ein aktuelles C5-Testat des Anbieters nach § 393 SGB V, dazu kommen ein Auftragsverarbeitungsvertrag und die Verpflichtung des Anbieters auf die Schweigepflicht nach § 203 StGB. Der andere Weg ist ein Modell im eigenen Praxisnetz.

04Wer haftet, wenn ein KI-generierter Arztbrief einen Fehler enthält?

Der Arzt. § 630a BGB kennt keine Entlastung durch KI-Nutzung, und ein ungeprüft übernommener Entwurf ist haftungsrechtlich Ihr Brief. Fehlt die Dokumentation der fachlichen Prüfung, wirkt § 630h Abs. 3 BGB gegen Sie, weil eine nicht dokumentierte Maßnahme als nicht getroffen vermutet wird. Der EU AI Act verschärft das nur dort, wo das Werkzeug tatsächlich Hochrisiko-KI ist; für ein reines Formulierungswerkzeug greift Art. 26 nicht.

05Woran erkenne ich ein geeignetes Werkzeug für KI-Arztbriefe?

Zwei Bauweisen stehen zur Wahl, das mithörende Ambient-Werkzeug und das Entwurfswerkzeug, das aus vorhandener Dokumentation formuliert. Geprüft wird in dieser Reihenfolge: das C5-Testat des Anbieters nach § 393 SGB V und der Ort der Verarbeitung, die Verpflichtung nach § 203 Abs. 4 StGB bis zum letzten Unterauftragnehmer, die veröffentlichte Zweckbestimmung, die über die Medizinprodukte-Frage entscheidet, die Anbindung an die Praxissoftware, das Protokoll über Entwurf, Änderung und Freigabe und der Rückfallweg bei einem Ausfall des Anbieters. Die Fragen dazu stehen im Anbieterfragebogen auf dieser Seite.

06Ist ChatGPT für Arztbriefe zulässig?

Mit Patientendaten nicht im privaten Konto. Dort fehlen Auftragsverarbeitungsvertrag und Kontrolle über die Aufbewahrung, und die Eingabe ist eine Offenbarung nach § 203 StGB. In der Kassenpraxis scheiden derzeit auch Team-, Business- und Enterprise-Zugänge aus, weil ihnen das C5-Testat fehlt, das § 393 SGB V für Gesundheitsdaten in der Cloud verlangt, und weil sich eine Verpflichtungserklärung nach § 203 StGB nicht vorlegen lässt.

07Welche Pflichten löst ein KI-Arztbrief-Werkzeug im AI Act aus?

Das hängt an der Zweckbestimmung. Reine Formulierungs-Assistenz ohne klinische Entscheidungsunterstützung ist geringes Risiko, dort greift Art. 26 nicht, und was bleibt, ist die Bemühungspflicht nach Art. 4. Sobald ein Werkzeug inhaltliche Schlussfolgerungen einbringt, also Kodiervorschläge oder Therapieempfehlungen, ist zuerst die Medizinprodukte-Frage nach Regel 11 MDR zu klären. Fällt das Werkzeug darunter und wird es CE-zertifiziert, ist es über Art. 6 Abs. 1 in Verbindung mit Anhang I Hochrisiko-KI, und die Betreiberpflichten des Art. 26 gelten ab dem 2. August 2028. Anhang III ist hier der falsche Anker, er erfasst eigenständige Anwendungsfälle wie die Notfalltriage und nicht die Dokumentation. Eine Grundrechte-Folgenabschätzung nach Art. 27 fällt auf der Anhang-I-Route nicht an, weil die Vorschrift nur an Art. 6 Abs. 2 anknüpft.

08Wie setze ich KI-Arztbriefe rechtssicher in meiner Praxis auf?

In vier Schritten. Erstens die Zweckbestimmung des Werkzeugs und die daraus folgende Einstufung dokumentieren. Zweitens beim Anbieter C5-Testat und Verpflichtungserklärung nach § 203 StGB anfordern und Auftragsverarbeitungsvertrag, Datenschutz-Folgenabschätzung und Ihren Review-Prozess festlegen. Drittens die Maßnahmen nach Art. 4 EU AI Act aufsetzen, speziell zu Halluzinationen und Review-Verhalten. Viertens eine stichprobenartige Qualitätskontrolle institutionalisieren, damit die Prüfung dokumentiert ist.

Bevor Sie ein
Arztbrief-Werkzeug einführen.

In der KI-Einführung für den Arztbrief wähle ich mit Ihnen unter zwei oder drei Anbietern aus, sichte deren Unterlagen vor der Unterschrift, lege die Regeln für Entwurf und Freigabe fest und begleite den Praxistest bis in den Regelbetrieb. Festpreis, in der Einzelpraxis meist 2.500 bis 5.000 € netto.

KI-Einführung anfragen

10Autor

Daniel Kleiboldt

Legal Engineer · Jurist, LL.M., Software Engineer

Berät Praxen, MVZ und Kliniken zu EU AI Act, DSGVO und Haftungsfragen beim KI-Einsatz. Lehrauftrag an der Hochschule Neu-Ulm (HNU).

Stand14.10.2026
FundstelleLegal Engineer
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