Kann KI Arztbriefe
schreiben?
Ja. Das Werkzeug hört entweder das Gespräch mit oder liest, was ohnehin in der Akte steht, und legt daraus einen fertig formulierten Entwurf vor. Der Brief ist damit noch nicht fertig, denn Sie lesen ihn gegen Befund, Laborwert und Medikationsplan und geben ihn frei. Diese Prüfung nimmt Ihnen kein Werkzeug ab.
Rechtlich bleibt es Ihr Brief. Sie haften nach § 630a BGB unverändert, und die Freigabe gehört so dokumentiert, dass sie später erkennbar ist. Ob darüber hinaus Pflichten aus dem EU AI Act entstehen, entscheidet die Zweckbestimmung des Werkzeugs. Formulieren allein löst sie nicht aus, Kodieren und Bewerten kann es. § 203 StGB schließt privat geführte Konten für Patientendaten in jedem Fall aus.
Vier Wege, und einer steckt vielleicht schon in Ihrer Praxissoftware.
Wer zum ersten Mal danach sucht, findet vier verschiedene Dinge unter demselben Begriff. Sie unterscheiden sich darin, woher der Text kommt und wer den Vertrag hält.
Was sich im Praxisalltag ändert, und was bleibt.
Drei Dinge, die KI nicht leistet und die Sie nicht delegieren können.
Woran Sie merken, ob sich das für Ihre Praxis lohnt.
Sechs Stationen vom Gespräch bis zur Unterschrift.
Vier Punkte, die beim KI-Arztbrief zusammenkommen.
Acht Punkte, die sich vor dem Vertrag prüfen lassen.
- 01Auftragsverarbeitungsvertrag mit namentlich benannten Unterauftragsverarbeitern
- 02Verarbeitungs- und Speicherort, und welcher Teil davon vertraglich zugesagt ist
- 03Verpflichtung nach § 203 Abs. 4 StGB, durchgereicht bis zum letzten Unterauftragnehmer
- 04Anbindung an die Praxissoftware, damit der Entwurf nicht über die Zwischenablage wandert
- 05Deutschsprachiges medizinisches Vokabular, an eigenen Fällen geprüft und nicht an der Vorführung
- 06Protokoll, aus dem Entwurf, Änderung und Freigabe hervorgehen
- 07Die veröffentlichte Zweckbestimmung, weil sie über die Medizinprodukte-Frage entscheidet
- 08Der Rückfallweg, wenn der Anbieter ausfällt, denn die Briefe müssen auch dann geschrieben werden
Welche Werkzeuge das wie erfüllen, hält das KI-Tool-Radar nach
Was Praxen zum KI-Arztbrief fragen.
01Welche Arten von KI-Werkzeugen für Arztbriefe gibt es?
Vier, und sie unterscheiden sich darin, woher der Text kommt und wer den Vertrag hält. Das Dokumentationsmodul der Praxissoftware ist die kürzeste Strecke, weil die Anbindung an die Akte schon steht. Das mithörende Zusatzprogramm nimmt das Gespräch auf und ordnet es in Anamnese, Befund und Plan. Das Entwurfswerkzeug formuliert aus der vorhandenen Dokumentation, ohne mitzuhören. Der allgemeine Chatbot im Browser ist der vierte Weg und für Patientendaten über ein privat geführtes Konto nicht gangbar.
02Ab wann lohnt sich ein KI-Werkzeug für Arztbriefe?
Der Nutzen hängt am Briefaufkommen, an der Gleichförmigkeit der Sprechstunde und daran, ob das Werkzeug in die Praxissoftware hineinreicht. Bei wenigen, ausführlichen Briefen fällt er kaum ins Gewicht. Bei vielen Standardbriefen liegt er in der Zeit, die heute nach der Sprechstunde anfällt. Anbieter nennen Größenordnungen um eine knappe Stunde am Tag. Belastbare unabhängige Zahlen für den deutschen Praxisalltag gibt es bislang nicht, deshalb ist eine Messung über zwei Wochen im eigenen Betrieb die verlässlichere Grundlage.
03Darf ich als Arzt KI nutzen, um Arztbriefe zu schreiben?
Ja, grundsätzlich, aber unter Auflagen. Sie bleiben nach § 630a BGB für Inhalt und Richtigkeit verantwortlich und müssen jeden Entwurf fachlich prüfen. Datenschutzrechtlich darf das Werkzeug keine Patientendaten in eine Drittlandverarbeitung ohne angemessenes Schutzniveau geben. Zulässig sind Lösungen mit Auftragsverarbeitungsvertrag, kontrollierter Aufbewahrung, EU-Hosting oder lokalem Betrieb.
04Wer haftet, wenn ein KI-generierter Arztbrief einen Fehler enthält?
Immer der Arzt. § 630a BGB kennt keine Entlastung durch KI-Nutzung. Ein ungeprüft übernommener Entwurf entlastet nicht, und fehlt die Dokumentation der Prüfung, greift die Vermutung des § 630h Abs. 3 BGB, wonach eine nicht dokumentierte Maßnahme als nicht getroffen gilt. Der EU AI Act verschärft das nur dort, wo das Werkzeug tatsächlich Hochrisiko-KI ist.
05Woran erkenne ich ein geeignetes Werkzeug?
Zwei Bauweisen stehen zur Wahl, das mithörende Ambient-Werkzeug und das Entwurfswerkzeug, das aus vorhandener Dokumentation formuliert. Über allem steht die veröffentlichte Zweckbestimmung, weil sie die Medizinprodukte-Frage und damit alles Weitere entscheidet.
06Ist ChatGPT für Arztbriefe zulässig?
Die Standard-Version mit Privatkonto ist nicht zulässig, sobald Patientendaten einfließen, weil Auftragsverarbeitungsvertrag, Zweckbindung und Kontrolle über die Aufbewahrung fehlen. Team- und Enterprise-Zugänge taugen nur mit belastbarem Vertrag, Datenschutz-Folgenabschätzung und geklärtem Drittlandtransfer. Die vollständige Einordnung mit § 203 StGB, dem Data Privacy Framework und der Haftung steht im Beitrag ChatGPT schreibt Ihren Arztbrief, verlinkt unter Vertiefung.
07Welche Pflichten löst ein KI-Arztbrief-Werkzeug im AI Act aus?
Das hängt an der Zweckbestimmung. Reine Formulierungs-Assistenz ist geringes Risiko, dort greift Art. 26 nicht, und es bleibt bei der Bemühungspflicht nach Art. 4. Bringt das Werkzeug inhaltliche Vorschläge ein, also Kodierung oder Therapie, ist zuerst Regel 11 MDR zu klären. Wird es dadurch CE-zertifizierte Medizinprodukte-Software, ist es über Art. 6 Abs. 1 und Anhang I Hochrisiko-KI, mit den Betreiberpflichten des Art. 26 ab dem 2. August 2028. Anhang III passt hier nicht, und eine Grundrechte-Folgenabschätzung nach Art. 27 fällt auf dieser Route nicht an.
08Wie setze ich KI-Arztbriefe rechtssicher in meiner Praxis auf?
In vier Schritten. Erstens die Zweckbestimmung des Werkzeugs und die daraus folgende Einstufung dokumentieren. Zweitens Auftragsverarbeitungsvertrag, Datenschutz-Folgenabschätzung und Ihren Review-Prozess festlegen. Drittens die Maßnahmen nach Art. 4 EU AI Act aufsetzen, speziell zu Halluzinationen und Review-Verhalten. Viertens eine stichprobenartige Qualitätskontrolle institutionalisieren, damit die Prüfung dokumentiert ist.
Vertiefung zu einzelnen Fragen.
Welches Werkzeug erfüllt das konkret?
Anbieternamen stehen hier bewusst nicht, weil der Markt sich schneller bewegt als ein Fließtext. Das KI-Tool-Radar führt die einzelnen Werkzeuge mit Namen und Stand, von den Dokumentationsmodulen der Praxissoftware bis zu den mithörenden Zusatzprogrammen, prüft sie entlang derselben vier Achsen und sagt bei jedem Befund, worauf er beruht.
Arztbrief-Werkzeug einführen.
Ob KI-Arztbriefe bei Ihnen tragen, hängt an der Zweckbestimmung des Werkzeugs, am Review-Prozess und an der Frage, ob die Freigabe nachweisbar ist. Der EU-AI-Act-Prüfbogen ermittelt zuerst, welche Regelwerke Sie überhaupt treffen und ab wann sie gelten, und fragt erst danach nach dem Stand der Umsetzung. Am Ende steht ein Befund mit Fundstellen, Fristen und Maßnahmen, getrennt nach dem, was heute schon gilt und was eine Frist hat — zum Ausdrucken, ohne dass Sie eine E-Mail-Adresse hinterlassen müssen.
Daniel Kleiboldt
Legal Engineer · Jurist, LL.M., Software Engineer
Berät Arztpraxen und MVZ zu EU AI Act, DSGVO und Haftungsfragen beim KI-Einsatz. Lehrauftrag an der Hochschule Neu-Ulm (HNU).