Kleiboldt Legal EngineeringKleiboldt Legal EngineeringErstgespräch

Der EU AI Act gilt
nicht in der Schweiz.

Noch nicht.

Die Frage ist, ob man aus dem Muster lernt.

«Betrifft uns nicht, oder?» Formal korrekt. Aber formal korrekt war auch die Position zur DSGVO, zur MDR und zum Chemikalienrecht. In allen Fällen kam die Schweizer Variante.

01Evidenz

Vier Regulierungen.
Immer dasselbe Muster.

Die Schweiz übernimmt EU-Recht nicht, weil sie muss. Sie tut es, weil die wirtschaftliche Realität ihr keine andere Wahl lässt. Der Fachbegriff dafür lautet autonomer Nachvollzug.

EU und SchweizWas passiert istAbstand
EU-DSGVOnDSGMai 2018Sept. 20235 Jahre nach der DSGVO kam das nDSG, sonst hätte die EU der Schweiz den Angemessenheitsbeschluss entzogen.Die erste umfassende Revision des Schweizer Datenschutzrechts seit 1992.5 Jahre
EU-MDRMepVMai 2021Mai 2021MepV und MDR traten taggleich in Kraft.Die MepV enthält starke Parallelen, zahlreiche Verweise und teilweise vollständige Kopien der MDR.Am selben Tag
EU-REACHChemV20072005Die Schweiz harmonisierte ihr Chemikalienrecht sogar schon vor EU-REACH, vorauseilender Gehorsam.Die Kandidatenliste besonders besorgniserregender Stoffe findet sich in der Schweizer Chemikalienverordnung.Vorab harmonisiert
EU-LebensmittelrechtLMGFortlaufendMai 2017Das LMG wird laufend an EU-Vorgaben angepasst, seit Jahren, systematisch, ohne Beitritt.Die Totalrevision des Lebensmittelgesetzes trat 2017 in Kraft.Autonomer Nachvollzug

Die EU reguliert. Die Schweiz übernimmt.

02Stand 2026

Die Schweiz hat bereits begonnen.

Am 12. Februar 2025 hat der Bundesrat das EJPD beauftragt, bis Ende 2026 eine Vernehmlassungsvorlage für neue KI-Regeln zu erarbeiten. Im März 2025 hat die Schweiz die KI-Konvention des Europarats unterzeichnet.

Die Konvention verlangt Transparenz, Nichtdiskriminierung, menschliche Aufsicht und Rechenschaftspflicht.

Sektorielle RegulierungStatt eines allgemeinen KI-Gesetzes kommen branchenspezifische Anpassungen. Das Gesundheitswesen ist explizit als Sektor benannt.
Europarats-KonventionDie Schweiz hat die KI-Konvention im März 2025 unterzeichnet. Die Ratifizierung verlangt Gesetzesanpassungen bei Transparenz und Aufsicht.
HeilmittelgesetzDie Teilrevision des HMG adressiert bereits Digitalisierungsaspekte. Die gesetzgeberische Infrastruktur für KI im Gesundheitswesen wird aufgebaut.
03Heute

Der AI Act erreicht die Schweiz über Ihre Software.

Die meisten KI-gestützten Praxissoftwaresysteme wie Ambient Scribing, Kodiervorschläge und diagnostische Entscheidungsunterstützung stammen von Anbietern mit EU-Sitz oder EU-Marktpräsenz.

EU-SoftwareanbieterCGM, Doctolib, medatixx & Co. müssen den AI Act einhalten
EU-konforme ProdukteDokumentation, Betriebsanleitung, Aufsichtspflichten
Ihre PraxisArbeitet de facto mit EU-Standards, ob reguliert oder nicht

Selbst wenn die Schweiz KI nicht regulierte, würden Schweizer Ärzte über ihre Softwareanbieter de facto mit EU-Standards arbeiten.

04Beleg

Diese Einordnung steht seit dem 8. September 2026 in einem Schweizer Fachmedium.

SwissMed AI, die von der Ärztin Laila Fröhlich geführte Redaktion für klinisch relevante KI, hat meinen Gastbeitrag «Der AI Act gilt nicht in der Schweiz. Noch nicht!» veröffentlicht. Er führt das Muster des autonomen Nachvollzugs an revDSG und MepV vor, beschreibt den Weg über die Hersteller mit Sitz oder Vertrieb in der EU und nennt den Auftrag des Bundesrats an das EJPD, bis Ende 2026 eine Vernehmlassungsvorlage zu erarbeiten.

Was dort belegt ist, steht getrennt von meiner eigenen Einordnung und von der Empfehlung. Die vier schweizspezifischen Rechtsaussagen sind vor der Veröffentlichung an den Primärquellen geprüft worden, beim EDÖB, bei Swissmedic und auf admin.ch.

Gastbeitrag bei SwissMed AI lesen

05Zeitfenster

Zeit ist kein Komfort.
Zeit ist Wettbewerbsvorteil.

In der EU gilt die Bemühungspflicht nach Art. 4 seit Februar 2025. Die vollständigen Betreiberpflichten folgen ab Ende 2027. EU-Praxen stehen unter Zeitdruck.

2–3Jahre VorsprungWer jetzt anfängt, sich vorzubereiten
2–3Monate HektikWer wartet, bis die Pflicht kommt
06Konkret

Fünf Schritte. Keiner davon ist aufwendig.

Die Empfehlung ist, die Grundlage zu schaffen, um nicht überrascht zu werden.

SchrittWorum es gehtNr.
BestandsaufnahmeWelche KI-Systeme laufen in Ihrer Praxis oder Klinik, und was genau tun sie?01
Anbieter prüfenUnterliegt der Anbieter dem EU AI Act? Dann werden seine Produkte nach EU-Standards gebaut.02
Betriebsanleitungen sichtenGibt es Dokumentation, die Ihre Pflichten als Betreiber beschreibt?03
Team sensibilisierenKI-gestützte Entscheidungen brauchen menschliche Überprüfung. Das beginnt beim Bewusstsein.04
Regulierung verfolgenDie Vernehmlassungsvorlage des Bundesrats kommt Ende 2026. Bleiben Sie informiert.05
07Zusammenarbeit

Ich berate Arztpraxen, MVZ und Kliniken in Deutschland und der Schweiz zu den regulatorischen Anforderungen beim Einsatz von KI-Systemen. Für länderspezifische Rechtsfragen arbeite ich mit lokalen Kanzleien zusammen.

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