Ob es ein
Medizinprodukt ist,
entscheidet der Zweck.
Ob KI-Software ein Medizinprodukt ist, entscheidet ihre Zweckbestimmung, also wofür der Hersteller sie in Kennzeichnung, Gebrauchsanweisung oder Werbung bestimmt. Daniel Kleiboldt (Kleiboldt Legal Engineering; Jurist, LL.M., Software Engineer) ordnet für Hersteller ein, wo ihr Produkt nach MDR und AI Act steht, und für Praxen und Kliniken, welche Pflichten ein eingesetztes Tool bei ihnen auslöst.
Liefert die Software Informationen, die zu diagnostischen oder therapeutischen Entscheidungen herangezogen werden, ist sie nach Regel 11 mindestens Klasse IIa. Dann bewertet eine Benannte Stelle das Produkt, und KI, die selbst das Medizinprodukt ist oder darin als Sicherheitsbauteil wirkt, ist zugleich Hochrisiko-KI nach dem EU AI Act, mit Pflichten ab dem 02.08.2028.
Für Betreiber zählt, das Tool nur für den Zweck einzusetzen, für den der Hersteller es bestimmt hat. Wer es darüber hinaus nutzt, verlässt dessen Zusicherungen.
Zwei Rollen, zwei Pflichtenkataloge.
Anbieter bringen Produkte in Verkehr und tragen die Konformitätslast; Betreiber setzen sie ein und schulden Auswahl, Aufsicht und Dokumentation.
Dieselbe Frage, sechs verschiedene Antworten.
| Werkzeug | Wo es landet | Einstufung |
|---|---|---|
| Ambient Scribing / Dokumentations-KI | In der Regel kein Medizinprodukt, solange das Tool nur verschriftet. Fasst es zu einem Entwurf zusammen, der Behandlungsentscheidungen trägt, liegt es nach Auffassung der schwedischen Aufsicht wahrscheinlich in der MDR. | |
| ICD-Kodiervorschlag im PVS | Der Grenzfall der aktuellen PVS-Generation: vom Anbieter als Dokumentationshilfe gerahmt, tatbestandlich nah an der Diagnoseunterstützung. | |
| Bilddiagnostik-KI (Radiologie, Dermatologie, Zahnmedizin) | Medizinprodukt, nach Regel 11 mindestens Klasse IIa; als Hochrisiko-KI greift zusätzlich der AI Act mit voller Anbieterlast. | |
| Medikations- und AMTS-Analyse | Als klinisches Entscheidungsunterstützungssystem häufig Medizinprodukt Klasse IIa, relevant auch für Apotheken und Filialverbünde. | |
| Telefonassistent / Terminorganisation | In der Regel kein Medizinprodukt, solange er Termine und Anliegen aufnimmt. Schätzt er aus Beschwerden die Dringlichkeit ein, ist das gesondert zu prüfen. Die KI-Kompetenz nach Art. 4 EU AI Act und die DSGVO bleiben davon unberührt. | |
| Triage-Unterstützung | Je nach Zweckbestimmung: reine Terminsteuerung bleibt außen vor, klinische Priorisierung führt in Richtung Medizinprodukt und Hochrisiko-Einstufung. |
Die Fristenlage, gegen den heutigen Stand gerechnet.
Wenn Sie es genauer brauchen.
Ich ordne für Health-Tech-Anbieter ein, ob ihr Produkt ein Medizinprodukt ist und in welche Klasse es fällt, und zeige, wie Audit Trail und menschliche Aufsicht im Produkt nachweisbar werden. Den Aufbau eines Qualitätsmanagementsystems und die Konformitätsbewertung selbst übernehmen Regulatory-Affairs-Dienstleister und die Benannte Stelle.
Fünf Fragen, kurz beantwortet.
Kostenlos.
Ob Regel 11 greift, entscheidet sich an der Zweckbestimmung, und die steht auch im Marketingtext des Herstellers. Welche Ihrer Systeme betroffen sind, lässt sich in wenigen Fragen einordnen.