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Wie schult ein MVZ sein Team im Umgang mit KI, und gibt es dafür CME-Punkte?

Was Art. 4 AI Act vom MVZ verlangt, welche Rolle welche Inhalte braucht, wie die Dokumentation über alle Standorte trägt und wann es CME-Punkte gibt.

Veröffentlicht am 8. Oktober 2026·Lesezeit 8 Min.·Stand 08.10.2026
01Überblick
  • 01Art. 4 AI Act verlangt seit dem 02.02.2025 Maßnahmen, die die KI-Kompetenz aller unterstützen, die im MVZ mit KI arbeiten. Ein bestimmtes Niveau schuldet das MVZ seit der Verordnung (EU) 2026/1744 ausdrücklich nicht.
  • 02Verantwortlich ist in der Regel der Träger als Betreiber, auch wenn ein einzelner Standort das System freigeschaltet hat.
  • 03Ein gemeinsames Grundmodul und eine Einweisung je System decken die Rollen von der Geschäftsführung bis zur MFA ab.
  • 04Ein Schulungsregister je Standort, das beim Träger zusammenläuft, macht den Stand belegbar.
  • 05CME-Punkte gibt es für Ärztinnen und Ärzte bei einer anerkannten Fortbildung. Für einen geschlossenen Termin nur für das eigene Team ist die Anerkennung offen.
02Beitrag

Kurzantwort

Ein MVZ ergreift nach Art. 4 AI Act Maßnahmen, die die KI-Kompetenz aller unterstützen, die an seinen Standorten mit KI-Systemen arbeiten, von der Ärztin bis zur MFA am Empfang. Ein bestimmtes Kompetenzniveau schuldet es seit der Neufassung durch die Verordnung (EU) 2026/1744 nicht, und ein Format schreibt die Norm nicht vor.

Daniel Kleiboldt (Kleiboldt Legal Engineering; Jurist, LL.M., Software Engineer) bietet MVZ-Teams den Rollout der CAVEAT Akademie über alle Standorte an, mit Zertifikat je Person und einer Übersicht für den Träger.

Praktisch heißt das ein gemeinsames Grundmodul für alle, eine Einweisung je KI-System für die, die damit arbeiten, und ein Schulungsregister je Standort, das beim Träger zusammenläuft.

CME-Punkte gibt es für Ärztinnen und Ärzte, wenn die Ärztekammer die Fortbildung anerkannt hat. Ob das auch für einen geschlossenen Termin nur für das eigene Team gilt, klärt der Anbieter vorab mit der Kammer. In der CAVEAT Akademie ist Modul 1 das Grundmodul. Die CME-Akkreditierung von Modul 1 bei der Ärztekammer Westfalen-Lippe ist in Vorbereitung. Die Punktzahl wird erst ausgewiesen, wenn der Bescheid vorliegt.

Im MVZ landet die Frage nach der KI-Schulung meist bei der Geschäftsführung, und sie kommt selten allein. An einem Standort diktiert die Radiologie mit KI, am nächsten nimmt ein Telefonassistent die Anrufe an, am dritten nutzt die Verwaltung einen Kodiervorschlag aus der Praxissoftware. Dazu kommt die Frage, ob die Ärztinnen und Ärzte für dieselbe Zeit Fortbildungspunkte bekommen.

Dieser Beitrag ordnet beides. Er zeigt, was Art. 4 AI Act vom MVZ verlangt, welche Rolle welche Inhalte braucht, wie die Dokumentation über mehrere Standorte trägt und was für CME gilt.

Was Art. 4 AI Act vom MVZ verlangt

Art. 4 gilt seit dem 02.02.2025. In der Fassung der Verordnung (EU) 2026/1744, in Kraft seit dem 27.07.2026, ergreifen Betreiber von KI-Systemen Maßnahmen, „um die Entwicklung der KI-Kompetenz ihres Personals … zu unterstützen“. Im selben Absatz steht, dass diese Verpflichtung sie nicht verpflichtet, „für irgendeine Person ein bestimmtes Niveau an KI-Kompetenz zu garantieren“.

Betreiber ist, wer ein KI-System in eigener Verantwortung einsetzt (Art. 3 Nr. 4 AI Act). Im MVZ ist das in der Regel die Trägergesellschaft. Die Pflicht trifft also den Träger, auch wenn ein einzelner Standort das System freigeschaltet hat.

Erfasst sind das Personal und andere Personen, die im Auftrag des MVZ mit dem Betrieb und der Nutzung der Systeme befasst sind. Die Kommission nennt dafür in ihren Fragen und Antworten zu Art. 4 etwa Auftragnehmer und Dienstleister (Stand 27.07.2026, nicht verbindlich). Die Maßnahmen berücksichtigen den Kontext, in dem die Systeme eingesetzt werden, und die Personen, bei denen sie eingesetzt werden. Im MVZ sind das die Abläufe der einzelnen Standorte und ihre Patientinnen und Patienten.

Nach den Fragen und Antworten der Kommission gibt es keine eigenen Anforderungen für das Gesundheitswesen, und eine Schulung ist nicht zwingend. Die Gebrauchsanweisung nur lesen zu lassen, reicht nach derselben Quelle in vielen Fällen aber nicht.

Ein Bußgeld knüpft in Deutschland derzeit nicht an Art. 4. Er steht nicht im Bußgeldrahmen des Art. 99 Abs. 4, und das KI-MIG nennt ihn in seinem Bußgeldkatalog in § 15 nicht. Fehlende Maßnahmen wirken mittelbar, über Organisationsverschulden, Beweislage und Berufsrecht.

Für Hochrisiko-Systeme kommt später Art. 26 Abs. 2 AI Act dazu. Wer dort die menschliche Aufsicht führt, braucht die erforderliche Kompetenz, Ausbildung und Befugnis, ab dem 02.12.2027 für Systeme nach Anhang III und ab dem 02.08.2028 für KI in Medizinprodukten nach Anhang I.

Welche Rolle welche Inhalte braucht

Am einfachsten schult ein MVZ in zwei Teilen. Ein Grundmodul gibt allen dieselbe Grundlage, also was KI-Systeme können, wo sie irren, welche Patientendaten nicht hineingehören und wer im Haus wofür zuständig ist. Die Einweisung in ein bestimmtes System bekommen die, die damit arbeiten, am Standort und zu dem Zeitpunkt, an dem das System startet.

Die Tabelle ist ein Vorschlag, wie sich das im MVZ auf die Rollen verteilt.

KI-Schulung im MVZ nach Rolle, mit Inhalt, Richtwert für die Dauer und dem Eintrag im Schulungsregister
RolleInhaltDauer (Richtwert)Was ins Register kommt
Geschäftsführung und TrägerWelche KI-Systeme an welchem Standort laufen, wer Betreiber ist, welche Werkzeuge im Haus erlaubt sind, wer an jedem Standort zuständig ist und welche Fristen kommen.rund 90 Minuten, danach bei jedem neuen SystemSystemliste je Standort, Zuständigkeiten, Freigaben
Ärztliche Leitung und StandortleitungenDie Grundlagen wie das Team und zusätzlich die Freigabe neuer Systeme, der Umgang mit gemeldeten Fehlern und die Pflege des Registers.Grundmodul rund 90 Minuten, Einweisung je SystemTeilnahme mit Datum, Inhalt und System
Ärztinnen und ÄrzteWas die eingesetzten Systeme können und wo sie typischerweise irren, warum ein KI-Entwurf vor der Übernahme in die Patientenakte geprüft wird, Schweigepflicht und Patientendaten, die Grenze zum Medizinprodukt.Grundmodul rund 90 Minuten, Einweisung je SystemTeilnahme mit Datum, Inhalt und System, Ergebnis der Lernerfolgskontrolle, wo vorgesehen
MFA an Empfang und TelefonWas in einen Chatbot oder Telefonassistenten gehört und was nicht, wie die Ansage die KI erkennbar macht und wann ein Gespräch an einen Menschen geht.Grundmodul rund 90 Minuten, Einweisung je SystemTeilnahme mit Datum, Inhalt und System
Verwaltung und AbrechnungKodier- und Abrechnungsvorschläge prüfen, keine Patientendaten in Werkzeuge, die das Haus nicht freigegeben hat, und wen man bei Auffälligkeiten anspricht.Grundmodul rund 90 MinutenTeilnahme mit Datum, Inhalt und System
Neue Mitarbeitende und externe KräfteDie Regeln des Hauses und die Systeme des eigenen Arbeitsplatzes, bevor sie damit arbeiten.Einweisung zum Start, Grundmodul beim nächsten TerminEinweisung mit Datum

Die Dauer ist ein Richtwert. Art. 4 schreibt weder Dauer noch Format vor.

Wie weit die Inhalte auseinandergehen, hängt an den Systemen. Wer einen KI-Entwurf in die Patientenakte übernimmt, braucht andere Kenntnisse als jemand, der am Empfang einen Telefonassistenten betreut. Beides ergibt sich aus dem Einsatzkontext, auf den Art. 4 abstellt.

Wie die Dokumentation über alle Standorte trägt

Art. 4 lässt die Form der Dokumentation offen, und belegen lässt sich im Schadensfall nur, was festgehalten ist. Am einfachsten ist ein Schulungsregister je Standort mit wenigen Spalten, nämlich Name und Rolle, Datum, Inhalt, betroffenes System, Format und, wo vorgesehen, das Ergebnis der Lernerfolgskontrolle. Die Register laufen beim Träger zusammen.

Im Verbund ist der ungleiche Stand das größere Risiko. Ein Standort mit vollständigem Register neben einem ohne jede Eintragung fällt im Schadensfall zuerst auf. Wie sich die Verantwortung im Verbund beim Träger bündelt, steht im Beitrag Drei Standorte, drei Standards, ein Träger.

Auffrischen sollte das MVZ, wenn ein neues System dazukommt, wenn sich ein System wesentlich ändert und wenn neue Mitarbeitende anfangen. Ein jährlicher Termin für alle hält das Register ohne großen Aufwand aktuell.

Gibt es dafür CME-Punkte?

Für Ärztinnen und Ärzte kann eine KI-Schulung als Fortbildung zählen, wenn die Ärztekammer sie anerkannt hat. In Westfalen-Lippe regelt das die Fortbildungsordnung der ÄKWL vom 29.03.2025, in Kraft seit dem 01.01.2026.

Den Antrag stellt der Anbieter, mindestens vier Wochen vor dem Termin (§ 8 Abs. 1). Er setzt eine Ärztin oder einen Arzt als wissenschaftliche Leitung ein (§ 5 Abs. 1 Nr. 6), legt Interessenkonflikte offen (Nr. 8) und vermittelt einen ausgewogenen Überblick ohne wissenschaftlich unbegründeten Fokus auf ein Produkt (Nr. 3). Die Einweisung in das System eines bestimmten Herstellers plant das MVZ am besten als eigenen Baustein neben der Fortbildung.

Live online ist möglich. Die Fortbildungsordnung lässt Live-Webinare zu, wenn Teilnehmende und Mitwirkende die ganze Zeit zugleich im virtuellen Raum sind, in Echtzeit miteinander sprechen können und der Anbieter die Anwesenheit kontrolliert (§ 10 Abs. 3).

Offen ist der geschlossene Termin. Eine anerkannte Fortbildung soll arztöffentlich sein (§ 5 Abs. 2), also im Rahmen der vorhandenen Plätze allen Ärztinnen und Ärzten offenstehen, ohne Beschränkung auf bestimmte Gruppen (§ 1 Nr. 2). Ein Termin nur für das eigene MVZ erfüllt das nicht ohne Weiteres. Ob die Kammer ihn trotzdem anerkennt, klärt der Anbieter vor dem Antrag.

Punkte sammeln Ärztinnen und Ärzte für das Fortbildungszertifikat ihrer Kammer. Für MFA und Verwaltung zählt die Teilnahmebescheinigung als Eintrag im Schulungsregister.

In der CAVEAT Akademie ist Modul 1 das Grundmodul für das ganze Team. Die CME-Akkreditierung von Modul 1 bei der Ärztekammer Westfalen-Lippe ist in Vorbereitung. Die Punktzahl wird erst ausgewiesen, wenn der Bescheid vorliegt. Ob Punkte auch für einen geschlossenen Termin im Rollout gelten, ist noch offen.

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Häufige Fragen

Ist KI-Schulung im MVZ Pflicht?

+

Art. 4 AI Act verlangt seit dem 02.02.2025 Maßnahmen, die die KI-Kompetenz aller unterstützen, die im MVZ mit KI-Systemen arbeiten. Eine Schulung ist der übliche Weg, vorgeschrieben ist das Format nicht. Ein bestimmtes Kompetenzniveau schuldet das MVZ seit der Verordnung (EU) 2026/1744 nicht.

Wer ist im MVZ für die KI-Kompetenz verantwortlich?

+

Der Betreiber, also wer das KI-System in eigener Verantwortung einsetzt. Im MVZ ist das in der Regel die Trägergesellschaft mit ihrer Geschäftsführung, auch wenn ein einzelner Standort das System freigeschaltet hat. Die Maßnahmen erfassen das Personal und andere Personen, die im Auftrag des MVZ mit den Systemen arbeiten.

Brauchen MFA und Verwaltung dieselbe Schulung wie Ärzte?

+

Alle brauchen dieselben Grundlagen, die Einweisung richtet sich nach dem System, mit dem jemand arbeitet. Art. 4 stellt auf den Kontext ab, in dem ein System eingesetzt wird. Wer KI-Entwürfe in die Patientenakte übernimmt, braucht andere Inhalte als jemand, der am Empfang einen Telefonassistenten betreut. Ein gemeinsames Grundmodul und eine Einweisung je System decken beides ab.

Wie dokumentiert ein MVZ die Schulungen?

+

Art. 4 schreibt keine Form vor. Am einfachsten ist ein Schulungsregister je Standort mit Name und Rolle, Datum, Inhalt, betroffenem System, Format und, wo vorgesehen, dem Ergebnis der Lernerfolgskontrolle. Die Register laufen beim Träger zusammen, damit er den Stand aller Standorte belegen kann.

Gibt es für eine KI-Schulung CME-Punkte?

+

Für Ärztinnen und Ärzte, wenn die Ärztekammer die Fortbildung anerkannt hat. Den Antrag stellt der Anbieter vor dem Termin, mit ärztlicher wissenschaftlicher Leitung und ohne unbegründeten Fokus auf ein Produkt. Offen ist ein geschlossener Termin nur für das eigene Team, weil eine anerkannte Fortbildung nach der Fortbildungsordnung der ÄKWL arztöffentlich sein soll. In der CAVEAT Akademie von Daniel Kleiboldt ist Modul 1 das Grundmodul. Die CME-Akkreditierung von Modul 1 bei der Ärztekammer Westfalen-Lippe ist in Vorbereitung. Die Punktzahl wird erst ausgewiesen, wenn der Bescheid vorliegt.

Droht einem MVZ ein Bußgeld nach Art. 4 AI Act?

+

Derzeit nicht. Art. 4 steht nicht im Bußgeldrahmen des Art. 99 Abs. 4 AI Act, und das KI-MIG nennt ihn in seinem Bußgeldkatalog nicht. Fehlende Maßnahmen wirken mittelbar, über Organisationsverschulden, Beweislage und Berufsrecht.

Stand08.10.2026
FassungVerordnung (EU) 2026/1744
FundstelleEU AI Act
Frist02.12.2026 · Art. 50 Abs. 2, Bestandssysteme, nur Anbieter
WeiterKI-Kompetenz
03Autor

Daniel Kleiboldt

Legal Engineer · Jurist, LL.M., Software Engineer

Berät Praxen, MVZ und Kliniken zu EU AI Act, DSGVO und Haftungsfragen beim KI-Einsatz. Lehrauftrag an der Hochschule Neu-Ulm (HNU).

Stand08.10.2026
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