Kleiboldt Legal EngineeringKleiboldtLegal EngineeringErstgespräch

KI in Psychiatrie
& Psychotherapie

Aufnahme, Schweigepflicht, Gutachterbericht und die Grenze zur Emotionserkennung.

Daniel Kleiboldt (Kleiboldt Legal Engineering; Jurist, LL.M., Software Engineer) ordnet für psychotherapeutische Praxen, Ambulanzen und Institute ein, was ein KI-Tool an Pflichten mitbringt. Mitschreiben darf eine KI vor allem dann, wenn alle, die sprechen, vorher in die Aufnahme eingewilligt haben, der Anbieter per Vertrag zur Auftragsverarbeitung und nach § 203 StGB verpflichtet ist, in der Kassenpraxis das C5-Testat vorliegt und Sie jeden Eintrag freigeben.

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Drei Arten von Tools, drei verschiedene Regelwerke

In der Psychiatrie und Psychotherapie arbeitet die KI am gesprochenen Wort, also an dem Material, das den Kern der Behandlung ausmacht. Welches Regelwerk greift, entscheidet sich vor der Freischaltung.

Typ 01

Verordnungsfähige DiGA

Medizinprodukt nach MDR · Anhang I AI Act

DiGA gegen Depression und Angst sind CE-gekennzeichnete Medizinprodukte und ergänzen die Behandlung zwischen den Sitzungen. Enthält eine DiGA ab Klasse IIa ein KI-System, ist sie Hochrisiko nach Art. 6 Abs. 1 AI Act, mit den Pflichten ab August 2028. Betreiber ist, wer ein System in eigener Verantwortung verwendet, nach meiner Einordnung also in der Regel nicht die Praxis, die verordnet. Was der Patient mit der DiGA erlebt, gehört trotzdem in Anamnese und Verlauf.

Typ 02

Dokumentation, Bericht & Antrag

§ 8 Abs. 7 Berufsordnung · § 203 StGB · § 393 SGB V

Solange das Tool nur schreibt, ist es in der Regel kein Medizinprodukt. Sein Anbieter verarbeitet als Dienstleister vertrauliche Therapieinhalte, deshalb müssen Vertrag und Verpflichtung nach § 203 StGB vor der ersten Nutzung stehen. Eine Aufnahme der Sitzung braucht vorher die Einwilligung jeder Person, die spricht. In der vertragspsychotherapeutischen Versorgung verlangt § 393 SGB V zudem das C5-Testat des Cloud-Dienstes.

Typ 03

Emotionserkennung & Stimmanalyse

Art. 5 · Art. 50 · Anhang III AI Act

Schließt ein System aus Stimme, Mimik oder anderen körperlichen Merkmalen auf Gefühle, ist es ein Emotionserkennungssystem. Patienten informieren Sie darüber seit August 2026 (Art. 50 Abs. 3), ab Dezember 2027 ist ein solches System Hochrisiko nach Anhang III. Die Stimme Ihrer Angestellten und Ihrer Weiterbildungsassistenz darf es seit Februar 2025 nicht gezielt auswerten, weil die Praxis ihr Arbeitsplatz ist (Art. 5 Abs. 1 lit. f).

Was Sie übernehmen, wenn in Ihrer Praxis eine KI mitschreibt

Der Leitfaden für die niedergelassene Praxis, mit Kassensitz oder privat, allein oder mit Weiterbildungs- und Praxisassistenz. Er geht die fünf Stellen durch, an denen ein Tool die Sitzung berührt, mit einer Regel für jede und den Fundstellen dazu. Dazu kommen ein Selbsttest, sieben Fragen an Ihren Anbieter und eine Seite für Ihr Team.

Leitfaden herunterladen (PDF)35 Seiten · Stand Oktober 2026 · Ohne Registrierung · Druckfassung auf Weiß

Wenn sich etwas ändert

Ändert sich an diesem Leitfaden etwas, durch eine Leitlinie, eine Frist oder einen Hinweis der Kammer, bekommen Sie eine kurze Mail von mir.

Mit dem Absenden willigen Sie ein, dass ich Ihre E-Mail-Adresse dafür verarbeite. Der Versand erfolgt über Brevo, Abmeldung jederzeit über den Link in jeder Mail. Mehr in der Datenschutzerklärung.

Die fünf Regeln aus dem Leitfaden

Die Regeln sind Empfehlungen, und bei jeder steht, ob sie geltendes Recht wiedergibt oder Vorsorge ist.

Regel 1

Die Sitzung wird aufgenommen

Geltendes Recht

Keine Aufnahme ohne vorherige Einwilligung aller, die sprechen. In der Sitzung mit Kind und Eltern, mit einem Paar oder in der Gruppe fragen Sie jede Person vorher (§ 8 Abs. 7 der Berufsordnung, § 201 StGB) und weisen auf Löschung und Widerruf hin.

Regel 2

Die Daten verlassen die Praxis

Geltendes Recht

Kein Patientendatum in ein Tool ohne Vertrag zur Auftragsverarbeitung und Verpflichtung des Anbieters nach § 203 StGB, in der Kassenpraxis dazu das C5-Testat des Dienstes. Ein privates Chatbot-Konto bietet nichts davon und taugt deshalb auch nicht für die Fallskizze ohne Namen.

Regel 3

Das Tool erzeugt etwas

Vorsorge

Keine Diagnose, kein Score und keine Risikoeinschätzung aus einem Tool ohne CE-Kennzeichnung für genau diesen Zweck. Ein Tool, das aus Angaben zu Stimmung und Angst einen Depressionswert bildet, nennt die Leitlinie MDCG 2019-11 als Beispiel der Klasse IIb.

Regel 4

Der Bericht entsteht

Geltendes Recht, Grenze offen

Was im Bericht an den Gutachter urteilt, stammt von Ihnen. Er ist vollständig persönlich zu verfassen (§ 11 Abs. 6 Psychotherapie-Vereinbarung), und wie weit ein KI-Entwurf das wahrt, hat niemand entschieden. Der Leitfaden schlägt eine vorsichtige Linie vor.

Regel 5

Das Telefon klingelt

Recht und Vorsorge

In den gemeldeten Telefonzeiten der Kassenpraxis nimmt ein Mensch ab (§ 1 Abs. 8 PT-RL, nach der Lesart von KBV und KV Bayerns), und jede Krise geht an einen Menschen. Ein Telefonassistent sagt zu Beginn, dass eine KI spricht (Art. 50 Abs. 1 AI Act).

Psychotherapeutische Einzelpraxis ohne Team? In der Ersteinschätzung gehe ich mit Ihnen einer konkreten Frage nach, etwa wie Sie die Arbeit am Bericht zwischen sich und einem Tool aufteilen, 60 Minuten per Video, danach ein Memo für Ihre Unterlagen, 490 € netto.

Regelungen für Ausbildungsinstitute, Ambulanzen & Verbände

Ausbildungsinstitute stehen an einer ungleich schärferen Stelle als die Praxis. Hier entscheidet sich, ob der reflexive Schritt überhaupt aufgebaut wird. Wer diese Frage für sein Haus verbindlich beantwortet, schafft Klarheit für jeden Ausbildungsjahrgang.

Praxisleitfaden für das Ausbildungsinstitut · Stand Oktober 2026

Was Ihr Institut übernimmt, wenn in der Ambulanz eine KI mitschreibt

Fünf Hausregeln für die Ausbildungsambulanz, die Doppelnutzung von Fallbericht und Therapieantrag und die Pflichten, die dabei beim Institut landen. Für Ausbildungs- und Weiterbildungsinstitute jedes Verfahrens.

Leitfaden herunterladen (PDF)49 Seiten · Ohne Registrierung

Ausbildungsinstitute stimmen einen Nachmittag für Leitung und Dozierende im kostenlosen Erstgespräch mit mir ab. Die Folien aus meinem Vortrag vor den Mitgliedsinstituten des DVT am 1. September 2026 stehen ohne Anmeldung auf der Seite zum Vortrag, die Hausregeln und die Fragen an jeden Hersteller hier unten.

Bereich 01

Für Ausbildungsinstitute & Curricula

Sie legen fest, ab welchem Ausbildungsabschnitt KI-Tools zugelassen sind, welche Teile der Falldokumentation zwingend handschriftlich bleiben und woran Dozenten und Supervision die eigenständige Reflexionsleistung erkennen.

Bereich 02

Für Ambulanzen & Lehrpraxen

Einheitliche Nutzungsrichtlinien für Ausbildungskandidaten, Ambulanzleitung und Verwaltung. Verhindert unkontrollierte Schatten-KI auf privaten Laptops und sichert das Berufsgeheimnis (§ 203 StGB) im gesamten Ambulanzbetrieb.

Bereich 03

Als zertifizierte Verbandsfortbildung

Ein bezugsfertiges, bei Landesärzte- oder Psychotherapeutenkammern akkreditierbares Format für Tagungen, Qualitätszirkel oder Mitgliederversammlungen. Sie stellen den Termin, wir bringen Vortrag, Falldiskussion und Unterlagen mit.

Bereich 04

Wenn der Verband Plattformen stellt

Wo Fachverbände eigene Portale, Selektivverträge oder Dokumentationshilfen anbieten, entscheidet die rechtliche Klarheit über die Akzeptanz der Mitglieder. Wir schaffen verbindliche Vorlagen für den gesamten Verband.

Fünf Hausregeln für die Ausbildungsambulanz

An jeder Station einer Sitzung steht eine Frage, und aus jeder Antwort folgt ein Satz, den ich Ihnen für Ihre Dienstanweisung empfehle. Drei geben geltendes Recht wieder, zwei sind Vorsorge. Nach Medizinprodukterecht darf ein Tool einen Befund schreiben, wenn es als Medizinprodukt für genau diesen Zweck den Weg über Konformitätsbewertung und CE-Kennzeichnung gegangen ist. Diagnostik, Indikation und die Einschätzung von Suizidalität bleiben auch dann Aufgabe der Behandelnden.

Hausregel 1

Die Aufnahme entsteht

Geltendes Recht

Wer hört mit, und wer weiß davon? Keine Aufnahme ohne vorherige Einwilligung aller, die sprechen, und ohne Hinweis auf den Dienstleister, der sie verarbeitet.

Hausregel 2

Sie verlässt das Haus

Geltendes Recht in der Kassenversorgung

Wohin gehen die Daten, und wer bürgt dafür? Keine Cloud ohne eigenes Testat des Dienstes, den Sie buchen (C5 nach § 393 SGB V).

Hausregel 3

Das System erzeugt etwas

Vorsorge

Schreibt es, oder bewertet es? Kein Befund, keine Diagnose, keine Prognose und keine Suizidalitätseinschätzung aus einem Tool ohne CE-Kennzeichnung für genau diesen Zweck.

Hausregel 4

Jemand ändert den Auftrag

Vorsorge

Wer schreibt den Auftrag an die Maschine? Keine selbstgebauten Eingabetexte in der Patientenversorgung.

Hausregel 5

Sie verwenden das Ergebnis

Recht und Vorsorge

Wofür benutzen Sie, was herauskommt? Keine Auswertung von Stimme, Mimik oder Affekt auf Gefühle. Bei Ausbildungsteilnehmenden und Beschäftigten ist die gezielte Auswertung verboten (Art. 5 Abs. 1 lit. f AI Act), bei Patienten verlangt sie seit August 2026 eine Information (Art. 50 Abs. 3) und ist ab Dezember 2027 Hochrisiko nach Anhang III.

Vier Fragen an jeden Hersteller

Lassen Sie sich die Antworten schriftlich geben und legen Sie sie zu Ihren Unterlagen. Sieben Fragen für die Praxis stehen im Leitfaden für Praxen.

  • 01Welche Zweckbestimmung ist veröffentlicht, und beschreibt sie dasselbe Produkt wie die Produktseite?
  • 02Schreibt das System oder bewertet es? Und woran kann ich das von außen prüfen?
  • 03Liegt ein C5-Testat für den Dienst selbst vor, und welche Kriterien muss ich als Kunde dafür umsetzen?
  • 04Welche Unterlagen bekomme ich als Betreiber? AV-Vertrag, Verpflichtung nach § 203 StGB auch für die Unterauftragnehmer, Einwilligungsvorlagen, Betriebsanleitung, Angaben zur Aufsicht.

Prüfung & Befähigung an einem einzigen Nachmittag

Konzipiert mit ärztlichen und psychotherapeutischen Praktikern. In drei bis vier Stunden erarbeite ich mit Ihnen die drei Dokumente und weise das Team ein, ohne dass der Praxisbetrieb dafür stillsteht.

Phase 01

Bestandsaufnahme & Schatten-KI

Welche Tools sind in Praxis, Ambulanz oder Institut bereits im Einsatz? Ich erfasse PVS-Assistenten, Diktier-Apps, DiGA-Empfehlungen und private Konten.

Phase 02

Rechtliche Leitplanken

Was verlangt die Einwilligung in eine Aufnahme, was die Schweigepflicht (§ 203 StGB) bei Cloud-Diensten? Wo verläuft die Grenze zur Emotionserkennung, und wie greift Art. 4 AI Act für das Team?

Phase 03

Dokumenten-Workshop

Direkte Ausarbeitung der drei Dokumente, also Freigabematrix, Nachweis der Teambefähigung sowie die Vorlagen für Einwilligung und Patienteninformation.

Phase 04

Zertifizierung

Als Fortbildung bei der zuständigen Kammer akkreditierbar. Für Ausbildungsinstitute lässt sich der Nachmittag in das Curriculum einbauen.

Dokument 01

Prüfverantwortung & Freigabematrix

Namentliche Benennung mit Vertretungsregelung: Wer prüft den generierten Text, wer darf Korrekturen vornehmen und wer unterschreibt für die Akte oder das Gutachten? Die Behandlungsverantwortung nach § 630a BGB bleibt uneingeschränkt beim Behandelnden.

Dokument 02

Nachweis der Teambefähigung (Art. 4 AI Act)

Ein dokumentierter Fortbildungsnachmittag mit Datum, Dauer, Teilnahmeliste, Themen und Risikobewertung, bezogen auf die Tools, die bei Ihnen laufen. Er hält fest, welche Grenzen und Fehlerrisiken der eingesetzten Systeme behandelt wurden.

Dokument 03

Vorlagen für Einwilligung & Patienteninformation

Textvorlagen für die Einwilligung in die Aufnahme mit dem Hinweis auf Löschung und Widerruf, für die Patienteninformation und für die Ansage am Telefon, abgestimmt auf die Tools, die bei Ihnen laufen. Dazu der eine Satz für das Erstgespräch, wenn ein Patient fragt, ob eine KI mithört. Die rechtliche Endfassung im Einzelfall prüft bei Bedarf die eingebundene Fachanwältin.

Häufige Fragen & rechtliche Fundstellen

Die wichtigsten Praxisfragen zur psychotherapeutischen Dokumentation und zum EU AI Act, jeweils mit der Fundstelle. Eine erste Orientierung der Selbstverwaltung gibt die Praxis-Info der BPtK zur administrativen KI vom Februar 2026.

Darf eine KI die Verlaufsdokumentation in der Psychotherapie schreiben?

Ja, wenn vorher vor allem vier Voraussetzungen erfüllt sind. Der Anbieter ist per Vertrag zur Auftragsverarbeitung und nach § 203 StGB zur Verschwiegenheit verpflichtet, in der Kassenpraxis liegt das C5-Testat des Dienstes vor (§ 393 SGB V), alle, die in der Sitzung sprechen, haben vorher in die Aufnahme eingewilligt (§ 8 Abs. 7 der Berufsordnung, § 201 StGB), und jeder Eintrag wird geprüft und freigegeben, bevor er in die Akte geht (Dokumentationspflicht, § 630f BGB). Was daneben gilt, etwa die Information nach Art. 13 DSGVO und die Datenschutz-Folgenabschätzung, steht im Leitfaden für Praxen. Fachlich ist die Frage anspruchsvoller, weil das Verfassen der Verlaufsnotiz der Moment ist, in dem der Fall reflektiert und die nächste Sitzung vorbereitet wird. Sinnvoll eingesetzt übernimmt eine KI die formale Hülle und lässt den klinischen Teil bei Ihnen.

Brauche ich eine Einwilligung, wenn eine KI die Sitzung mitschreibt?

Für die Dokumentation selbst nicht, sie stützt sich auf den Behandlungsvertrag (Art. 9 Abs. 2 lit. h DSGVO mit § 22 Abs. 1 Nr. 1 lit. b BDSG). Für die Aufnahme der Sitzung ja. Ton- und Bildaufnahmen bedürfen nach § 8 Abs. 7 der Muster-Berufsordnung, inhaltsgleich etwa in Nordrhein-Westfalen, der vorherigen Einwilligung, und Sie informieren über das Recht, die Löschung zu verlangen. Maßgeblich ist die Berufsordnung Ihrer Landeskammer. Daneben schützt § 201 StGB das Wort jeder Person, die spricht, in der Sitzung mit Eltern, Paar oder Gruppe fragen Sie also alle. Eine Schriftform nennt § 8 Abs. 7 nicht, die Unterschrift jeder Person ist aber der sicherste Nachweis. Ob die DSGVO für die Aufnahme zusätzlich eine Einwilligung verlangt, ist nicht entschieden. Die BPtK verlangt sie in ihrer Praxis-Info vom Februar 2026, die KBV hält sie in der Regel für nicht erforderlich.

Darf ich ChatGPT für den Bericht an den Gutachter nutzen?

Nicht mit Patientendaten im privaten Konto, denn dort gibt es weder einen Vertrag zur Auftragsverarbeitung noch eine Verpflichtung nach § 203 StGB. Die Chiffre aus Anfangsbuchstabe und Geburtsdatum schützt nur gegenüber dem Gutachter, für den Anbieter bleibt der Bericht personenbezogen. Auch mit einem geeigneten Tool ist der Bericht von Ihnen „vollständig persönlich zu verfassen“ (§ 11 Abs. 6 S. 3 Psychotherapie-Vereinbarung), und nach der Praxis-Info der BPtK darf KI bei der Antragstellung nur als Hilfsmittel dienen. Wie weit ein KI-Entwurf das wahrt, hat niemand entschieden. Mein Vorschlag ist, dass ein Tool bei Gliederung, Übernahme dokumentierter Angaben und Rechtschreibung hilft und jeder Satz von Ihnen kommt.

Ist lokale KI in der Psychotherapie die sichere Lösung?

Sie nimmt einen Teil der Prüfung ab. Laufen Spracherkennung und Sprachmodell auf eigener Hardware in der Praxis und greift niemand von außen zu, offenbaren Sie niemandem etwas, und die Verpflichtung eines Cloud-Anbieters nach § 203 StGB und das C5-Testat nach § 393 SGB V stellen sich nicht. Die Einwilligung aller, die sprechen, in die Aufnahme bleibt, ebenso die Patienteninformation, die Prüfung der Folgenabschätzung und die Grenze zur Bewertung. Die Sicherheit der Verarbeitung tragen Sie dann selbst, und mit einem externen Dienstleister mit Zugang zu den Daten schließen Sie einen Vertrag zur Auftragsverarbeitung und verpflichten ihn nach § 203 StGB. Für eine Einzelpraxis ohne eigene IT ist ein eigenes Modell oft mehr, als der Zweck braucht.

Sovereign AI, das Sprachmodell auf eigener Hardware →

Ist ein Therapie-Chatbot Hochrisiko-KI nach dem EU AI Act?

Das hängt an der Einstufung. Ist die Anwendung ein Medizinprodukt ab Klasse IIa und enthält sie ein KI-System, ist sie Hochrisiko nach Art. 6 Abs. 1 AI Act, mit den Pflichten ab August 2028. Ein Chatbot unterhalb dieser Schwelle wird nicht automatisch Hochrisiko, weil Anhang III psychische Gesundheit nicht eigens aufführt. Spricht er mit Patienten, muss er sich seit August 2026 als KI zu erkennen geben (Art. 50 Abs. 1 AI Act).

Wann wird ein Tool in der Psychotherapie zum Emotionserkennungssystem?

Sobald es aus Stimme, Mimik oder anderen körperlichen Merkmalen auf Gefühle oder Absichten schließt (Art. 3 Nr. 39 AI Act). Für Ihre Patienten ist das nicht verboten, Sie informieren aber jeden, dessen Stimme ausgewertet wird (Art. 50 Abs. 3, seit August 2026), und ab Dezember 2027 ist ein solches System Hochrisiko nach Anhang III. Die Stimme Ihrer Angestellten und Ihrer Weiterbildungsassistenz darf kein Tool gezielt auf Gefühle auswerten, weil die Praxis ihr Arbeitsplatz ist (Art. 5 Abs. 1 lit. f). Tools, die nur transkribieren und strukturieren, bleiben darunter.

Was muss ein Ausbildungsinstitut für Psychotherapie regeln?

Ab welchem Ausbildungsabschnitt ein KI-Tool zugelassen ist, welcher Teil der Dokumentation von Hand geschrieben bleibt und woran die Supervision die eigene Leistung der Ausbildungsteilnehmenden erkennt. Dazu kommt die KI-Kompetenz nach Art. 4 AI Act, die jede Einrichtung trifft, die KI-Systeme einsetzt.

Wer haftet, wenn ein KI-Hinweis eine Suizidalität übersieht?

Die Einschätzung von Eigen- und Fremdgefährdung und die daraus folgende Schutzpflicht bleiben Aufgabe des Behandelnden. Die Behandlungsverantwortung nach § 630a BGB liegt bei ihm, gleich was ein System vorschlägt oder übersieht, und im Prüffall trägt die dokumentierte eigene klinische Einschätzung. Ein Tool, das Suizidalität selbst einschätzt, kann nach Regel 11 des Anhangs VIII MDR ein Medizinprodukt bis Klasse III sein. Vorsorglich gehört eine solche Einschätzung ohne CE-Kennzeichnung für genau diesen Zweck nicht in Akte oder Bericht.

Zum Nachlesen

Maßgebliche Rechtsgrundlagen

  • § Tonaufnahmen in der Sitzung: § 8 Abs. 7 Muster-Berufsordnung der BPtK, maßgeblich ist die Berufsordnung Ihrer Landeskammer. Vertraulichkeit des Wortes: § 201 StGB.
  • § Berufsgeheimnis beim Dienstleister: § 203 Abs. 3 und 4 StGB. Auftragsverarbeitung: Art. 28 DSGVO. Gesundheitsdaten: Art. 9 DSGVO. Cloud in der vertragspsychotherapeutischen Versorgung: § 393 SGB V.
  • § Bericht an den Gutachter: § 11 Abs. 6 Psychotherapie-Vereinbarung. Behandlungsverantwortung und Dokumentationspflicht: § 630a und § 630f BGB. Rechtsgrundlage der Dokumentation: Art. 9 Abs. 2 lit. h DSGVO, § 22 BDSG.
  • § Software als Medizinprodukt: Regel 11 Anhang VIII MDR, Leitlinie MDCG 2019-11. Medizinprodukte mit KI als Hochrisiko-System: Art. 6 Abs. 1 in Verbindung mit Anhang I AI Act, Pflichten ab 02.08.2028. Betreiberpflichten: Art. 26 AI Act.
  • § Psychische Gesundheit ist in Anhang III AI Act nicht eigens aufgeführt; Chatbots, die kein Medizinprodukt ab Klasse IIa sind, werden nicht automatisch Hochrisiko. Hinweis, dass eine KI spricht: Art. 50 Abs. 1 AI Act. Telefonische Erreichbarkeit der Kassenpraxis: § 1 Abs. 8 Psychotherapie-Richtlinie.
  • § Emotionserkennung: Art. 3 Nr. 39 AI Act. Verbot am Arbeitsplatz und in Bildungseinrichtungen: Art. 5 Abs. 1 lit. f. Information der Betroffenen: Art. 50 Abs. 3. Hochrisiko: Anhang III Nr. 1 lit. c, ab 02.12.2027.
  • § KI-Kompetenz im Team: Art. 4 AI Act, verbindlich seit 02.02.2025 als Bemühungspflicht ohne Garantie eines bestimmten Niveaus.
  • § Orientierung ohne Bindungswirkung: BPtK, Praxis-Info „Administrative KI in Ihrer Praxis“, Februar 2026. KBV, PraxisWissen „Künstliche Intelligenz. Hinweise zum Einsatz in Praxen“, Dezember 2025.

Erstgespräch für Praxen, Ambulanzen & Institute

Wir klären den Stand Ihrer Einrichtung, die eingesetzten Tools und die haftungsrechtlichen Schwerpunkte. 30 Minuten, direkt mit Daniel Kleiboldt, kostenfrei.