Kleiboldt Legal EngineeringKleiboldtLegal EngineeringErstgespräch

KI im Praxisalltag
der Allgemeinmedizin.

Für Praxisteams, Netze und Verbände

Hausbesuch bei einem 84-jährigen Patienten mit Herzinsuffizienz. Am Küchentisch sitzt die Tochter, nach zehn Minuten kommt der Pflegedienst, und auf dem Smartphone des Arztes schreibt ein Tool mit. Der Patient hat zugestimmt. Die Tochter erzählt, dass ihr Vater nachts verwirrt ist und sie selbst kaum noch schläft, und jetzt steht es im Transkript.

Seine Zustimmung deckt nach § 201 StGB nur seine eigenen Worte. Wen der Arzt fragt, wenn Angehörige mitsprechen, klärt bisher jede Praxis für sich. Diese Seite sortiert das für die Hausarztpraxis und zeigt, wie Praxisteams und Verbände diese Fragen an einem Nachmittag klären.

Daniel Kleiboldt, Jurist, LL.M., Software Engineer

01Selbsttest

Was mit dem nächsten Update in Ihre Praxis kommt.

Nimmt bei Ihnen ein Telefonassistent Anrufe an?

Dann hört der Anrufer gleich zu Beginn, dass eine KI spricht, und alles Dringliche geht sofort an einen Menschen. Was dabei geschieht, zeigt ein Anruf in der eigenen Praxis mit dem Satz „Mein Vater hat Brustschmerzen“.

Schreibt bei Ihnen ein Tool in der Sprechstunde oder beim Hausbesuch mit?

Dann fragt die Praxis vorher jeden, der spricht, beim Hausbesuch auch Tochter und Pflegekraft, und kein Entwurf geht ungelesen in die Akte.

Sortiert bei Ihnen ein Tool Rezeptanfragen vor oder fasst eingehende Briefe zusammen?

Dann entscheidet der Arzt über Folgerezept und Krankschreibung, und jeder auffällige Befund erreicht ihn im Original, gleich was die Zusammenfassung sagt.

Schon ein Ja, und Ihre Praxis ist Betreiber, auch für eine Funktion, die mit einem Update kam.

02Leitfaden

Praxisleitfaden für die Hausarztpraxis

Was Sie übernehmen, wenn in Ihrer Hausarztpraxis eine KI mitspricht

Sechs Fälle aus dem Praxisalltag, vom Anruf bis zum Befundeingang, geordnet nach den Regeln der Delegation. Dazu ein Selbsttest, sieben Fragen an Ihren Anbieter und eine Seite für Ihr Team.

Leitfaden herunterladen (PDF)41 Seiten · Stand Oktober 2026 · Ohne Registrierung · Druckfassung auf Weiß

Wenn sich etwas ändert

Ändert sich an diesem Leitfaden etwas, durch eine Leitlinie, eine Frist oder einen Hinweis der Kammer, bekommen Sie eine kurze Mail von mir.

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03Das Fach

In der Hausarztpraxis sitzt die KI dort, wo heute die MFA arbeitet.

Die Tools kommen ans Telefon, an die Rezeptanfrage, in die Mitschrift und an den Stapel eingehender Briefe. Den Maßstab dafür kennt Ihre Praxis aus der Delegationsvereinbarung. Ein Tool empfängt keine Delegation, und was eine MFA nach Anlage 24 BMV-Ä nicht übernehmen darf, bleibt auch mit einem Tool Ihre Entscheidung.

Grenzfall

Telefonassistent

Nimmt Anliegen auf und sortiert nach Termin, Rezept, Befund oder Rückruf. Bewertet er, wie dringend ein Anliegen ist, kann er Medizinprodukt sein, und ob er unter die Hochrisiko-Regeln des AI Act für die Notfallversorgung fällt, ist offen. Die Praxis legt fest, dass er Brustschmerz, Atemnot und Zeichen eines Schlaganfalls sofort an einen Menschen gibt und dass bei einem Ausfall noch am selben Tag wieder der Empfang abnimmt.

Vorbereitung

Rezeptanfrage und Posteingang

Das Tool ordnet Anfragen zu, sucht die letzte Verordnung heraus und fasst eingehende Briefe zusammen. Ob ein Folgerezept trägt oder jemand arbeitsunfähig ist, entscheidet der Arzt, und die Signatur bleibt seine. Entlassbriefe und Befunde mit auffälligem Wert gehen im Original an ihn.

Dienstleister

Mitschrift in Sprechstunde und Hausbesuch

Hier hört ein Dienstleister Patientengespräche mit, und Vertrag und Verpflichtung nach § 203 StGB stehen vor der Freischaltung. Vor der Aufnahme fragt die Praxis jeden, der spricht (§ 201 StGB), und das Tool läuft nur auf einem Gerät der Praxis. Schlägt es von sich aus eine Diagnose vor, stellt sich die Frage nach dem Medizinprodukt.

04Datenweg

Wo das Gespräch die Praxis verlässt.

Vom Küchentisch bis in die Akte nimmt das Gespräch aus der Szene fünf Stationen, zwei davon beim Anbieter. An jeder entscheidet die Praxis etwas, und das meiste davon, bevor das Tool zum ersten Mal mitschreibt.

Schaubild

Der Weg eines Gesprächs

Über jeder Station steht, wo die Daten gerade liegen. Darunter steht, was mit ihnen geschieht, was die Praxis dafür in der Hand hat und ob das geltendes Recht, fachlicher Standard oder Vorsorge ist.

  1. Am Küchentisch

    Aufnahme

    Das Tool nimmt auf, was am Tisch gesprochen wird, auch die Worte der Tochter und des Pflegedienstes.

    Jeder, der spricht, ist vorher gefragt worden, und das Einverständnis steht als Vermerk in der Akte. Das Tool läuft auf einem verwalteten Gerät der Praxis, ein privates Smartphone erfüllt die Anforderungen in aller Regel nicht.

    Recht und Vorsorge · Kapitel 05
  2. Beim Anbieter

    Übertragung

    Audio oder Text gehen an den Dienst des Anbieters, der daraus ein Transkript und einen Entwurf macht.

    Die Praxis hat einen Vertrag zur Auftragsverarbeitung und den Anbieter schriftlich auf das Berufsgeheimnis verpflichtet. In der Kassenpraxis kommt das Cloud-Testat des gebuchten Dienstes hinzu, und ein Server in Deutschland ersetzt es nicht.

    Geltendes Recht · Kapitel 01
  3. Bei seinen Unterauftragnehmern

    Sprachmodell

    Der Entwurf kann im Sprachmodell eines weiteren Anbieters entstehen, der als Unterauftragnehmer mitarbeitet, unter Umständen außerhalb der EU.

    Die Verpflichtung auf das Berufsgeheimnis reicht bis zu ihm, die Praxis kennt die Unterauftragnehmer mit Ort, und für jedes Land außerhalb der EU gibt es eine Grundlage. Training mit den Gesprächen ist im Vertrag ausgeschlossen, auch im Testzugang, denn dafür bräuchte es die Einwilligung der Patienten.

    Recht und Vorsorge · Kapitel 01 und 10
  4. Am Schreibtisch

    Entwurf

    Der Entwurf kommt zurück, und der Arzt liest ihn vor der Freigabe. Was er am Küchentisch gesehen und getastet hat, steht in keinem Transkript.

    Die Praxis hat festgelegt, ab wann ein Entwurf zur Akte gehört, denn das Gesetz regelt es nicht. Wer Entwürfe routinemäßig ungelesen abzeichnet, kommt einer automatisierten Entscheidung nahe.

    Recht und Vorsorge · Kapitel 04
  5. In der Praxissoftware

    Akte

    Der freigegebene Eintrag steht in der Akte, und in die ePA gehört nach meiner Einordnung nur, was freigegeben ist.

    Spätere Änderungen bleiben erkennbar. Audio und Rohtranskript liegen außerhalb der Akte und werden mit der Freigabe gelöscht, außer ein Patient meldet Ansprüche an.

    Recht und Vorsorge · Kapitel 04
Quelle · Praxisleitfaden für die Hausarztpraxis, Oktober 2026, Kapitel 01, 04, 05 und 10
05Was folgt

Was daraus folgt, und wo es zuerst auffällt.

Die meisten Regeln für ein Tool kennt Ihre Praxis schon, sie stehen in der Delegationsvereinbarung. Auf die Tools übertragen muss sie jede Praxis selbst, und wo das fehlt, fällt es an diesen vier Stellen zuerst auf.

Der Patient fragt.

„Haben Sie das aufgenommen?“ Was in der Akte liegt, kann er einsehen und als Abschrift verlangen (§ 630g BGB), und sein Auskunftsrecht nach der DSGVO erstreckt sich auch auf Audio und Rohtranskript, solange sie beim Anbieter liegen.

Das Team fragt.

Die MFA am Empfang will wissen, ob sie eine Krankschreibung zusagen darf, die das Tool schon vorsortiert hat. Sie sagt erst zu, wenn der Arzt entschieden hat, und wo das niemand festgelegt hat, entscheidet die Person, die gerade am Telefon ist.

Der Anbieter entscheidet mit.

Viele Tools kommen mit einem Update der Praxissoftware oder einem neuen Tarif des Telefonanbieters, ohne dass jemand eigens darüber entschieden hat. Betreiber wird die Praxis mit der Nutzung, und ob ein Tool nur schreibt oder schon bewertet, zeigt oft erst das Feld, das es von sich aus füllt.

Die Aufsicht fragt später.

Seit August 2026 muss ein Telefonassistent sagen, dass eine KI spricht. Die Pflicht trifft den Anbieter, und die Praxis prüft, ob er sie erfüllt. Fragt später eine Aufsichtsbehörde, ein Versicherer oder ein Gericht nach, zählt, was die Praxis wann geprüft hat, und diese Einträge lassen sich nachträglich nicht herstellen.

06Schriftlich

Drei Dinge, die in Ihrer Praxis schriftlich stehen sollten.

Wer was entscheidet.

Für jedes Tool, wozu es dient, was es nicht tun soll und wer seine Ausgaben prüft. Das ist das Gegenstück zur Anordnung, die Ihre Praxis aus der Delegation kennt.

Wohin der Notfall geht.

Welche Worte der Telefonassistent sofort an einen Menschen gibt, wann der Weg zuletzt getestet wurde und wer umstellt, wenn der Assistent ausfällt.

Was das Team weiß.

Die Einweisung in jedes Tool, verbunden mit der Belehrung über die Schweigepflicht, mit Datum, Inhalt und Dauer. Damit hält die Praxis zugleich die Maßnahmen zur KI-Kompetenz fest, die der AI Act seit Februar 2025 verlangt.

Dazu kommt eine Regel für alles, was noch kommt. Kein neues Tool, bevor es auf dem Blatt steht, auch keine Funktion aus einem Update und kein Testzugang.

07Format

Das Praxisteam-Format klärt die drei Punkte an einem Nachmittag.

Danach sind die Rollen verteilt, und die Sprechstunde fällt dafür keinen Tag aus.

Ziel des Termins

Am Ende des Nachmittags liegen die drei Dokumente (Zuordnung je Tool, Notfallweg am Telefon, Einweisung des Teams) unterschriftsreif in Ihrer Praxis. Vorgetragen wird nur, was dafür nötig ist.

Dauer und Ort

Drei bis vier Stunden, in der Praxis, im regionalen Qualitätszirkel oder als geschlossene Runde online.

Für das gesamte Team

Ärztinnen, Ärzte, MFA, VERAH, NäPa und Praxisleitung gemeinsam. Die Zuordnung trägt nur, wenn die MFA am Telefon und am Empfang weiß, was sie zusagen darf und was der Arzt entscheidet.

Wer durchführt und wer fördert

Medizinische Versorgungsforschung und Legal Engineering führen den Nachmittag gemeinsam durch. Gefördert wird er in der Regel von einem Partner, in der Rheumatologie war das UCB Pharma. Auswahl der Beispiele und Inhalt der rechtlichen Einordnung liegen allein bei den Referenten, und für ein Produkt wird nicht geworben. Ohne Förderer bucht eine Praxis denselben Zuschnitt als Teil der KI-Einführung; wer erst klären will, welche KI passt, beginnt mit dem KI-Start.

Erprobt in der Versorgung

Entwickelt und erprobt haben wir das Format mit der rheumatologischen Versorgungsforschung an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) und dem Berufsverband der Rheumatologen (BDRh), an den Fragen niedergelassener Praxen entlang.

CME-Zertifizierung

Als ärztliche Fortbildung mit Lernerfolgskontrolle bei der zuständigen Landesärztekammer akkreditierbar (in der Regel 4 bis 5 CME-Punkte).

08Verbände

Für Verbände, Netze und HZV-Partner.

Gut 55.000 Hausärztinnen und Hausärzte stellen dieselben Fragen zu Telefon, Mitschrift und Rezeptanfrage, und jede Praxis sucht die Antwort für sich. Verbände, Praxisnetze und die Partner der hausarztzentrierten Versorgung können sie einmal klären lassen und an alle Mitglieder weitergeben.

Als Verbandsfortbildung

Ein fertiges, akkreditierbares Format für Fachtagungen, Mitgliederversammlungen oder regionale Fortbildungsreihen. Sie geben den Termin vor, den Rest bringen wir mit.

Wenn der Vertrag Technik mitbringt

Wo ein Vertrag der hausarztzentrierten Versorgung Software vorgibt oder ein Netz eine eigene Plattform aufbaut, klärt der Nachmittag, wofür die Praxisteams dabei geradestehen.

Eine Fassung für alle Mitglieder

Dieselben Dokumentvorlagen und dieselbe Sprachregelung im ganzen Verband. Was in einer Praxis geklärt ist, gilt dann überall gleich.

Keine Produktwerbung

Auf der Bühne steht kein Hersteller. Es geht um das, was der Gesetzgeber von der Praxis als Betreiberin verlangt, unabhängig davon, welches Produkt sie gekauft hat.

09Warum jetzt

Warum jetzt.

Die Tools kommen mit dem nächsten Update und dem nächsten Tarif, der Hinweis am Telefon gilt seit August 2026, und die Pflichten für Hochrisiko-Systeme folgen ab Dezember 2027 und August 2028. Laufen bei Ihnen schon Tools, beginnen Sie mit Telefon und Mitschrift, weil dort die meisten Patientendaten fließen. Wer die drei Punkte jetzt aufschreibt, hat sie nach einem Nachmittag geregelt, und die datierten Einträge beginnen an diesem Tag.

10Gespräch

Dreißig Minuten, dann wissen Sie, ob es passt.

Für Praxisteams

Sie sagen mir, welche Tools bei Ihnen laufen oder angeboten werden, und wir klären, was davon schon geregelt ist und was fehlt.

Für Verbände und Netze

Wir klären, in welcher Form ein Durchlauf für Ihre Mitglieder oder Ihren Vertrag Sinn ergibt. Ohne Foliensatz und ohne Angebot.

11Fundstellen
§Die Fundstellen zu dieser Seite
  • Betreiberstellung: Art. 3 Nr. 4 AI Act, auch für eine Funktion, die mit einem Update kam. KI-Kompetenz im Team: Art. 4 AI Act, seit 02.02.2025, als Bemühungspflicht ohne Garantie eines bestimmten Niveaus (VO 2026/1744).
  • Hinweis am Telefon: Art. 50 Abs. 1 AI Act, seit 02.08.2026, Pflicht des Anbieters. Triage bei der Notfallversorgung: Anhang III Nr. 5 lit. d AI Act, ab 02.12.2027; ob ein Praxistelefon darunter fällt, ist offen. KI-Medizinprodukte mit Benannter Stelle: Art. 6 Abs. 1 in Verbindung mit Anhang I AI Act, ab 02.08.2028; vorhandene Produkte erst nach einer erheblichen Änderung (Art. 111 Abs. 2).
  • Delegation: § 28 Abs. 1 S. 2 SGB V; Anlage 24 BMV-Ä, § 2 und § 4 Abs. 2; § 15 Abs. 1 S. 5 BMV-Ä; Anlage 8 BMV-Ä (NäPa).
  • Rezept und Arbeitsunfähigkeit: § 15 Abs. 2 und § 31 BMV-Ä; § 4 Abs. 5 AU-Richtlinie; § 2 Abs. 1 Nr. 10 AMVV.
  • Dokumentation: Art. 9 Abs. 2 lit. h DSGVO, § 22 Abs. 1 Nr. 1 lit. b BDSG; ob die Aufzeichnung dafür erforderlich ist, ist nicht entschieden. Aufzeichnung des Gesprächs: § 201 StGB. Auskunft: Art. 15 DSGVO. Berufsgeheimnis beim Dienstleister: § 203 Abs. 4 StGB. Auftragsverarbeitung: Art. 28 DSGVO. Cloud: § 393 SGB V.
  • Akte und Haftung: §§ 630f, 630g und 630h BGB. Medizinprodukt: Art. 2 Nr. 1 und 12 MDR, Anhang VIII Regel 11.
  • Datenweg: Gerät nach der IT-Sicherheitsrichtlinie der KBV, Anlage 1 Nr. 30 bis 33 und 42 bis 44, verbindlich nach § 390 Abs. 6 SGB V. Verpflichtung bis zu den Unterauftragnehmern: § 203 Abs. 3 S. 2 und Abs. 4 S. 2 Nr. 1 und 2 StGB, § 9 Abs. 4 BO. Cloud in der Kassenpraxis: § 393 Abs. 2 bis 4 SGB V, Anlage 1 Nr. 50 der Richtlinie nach § 390 SGB V. Drittland: Kapitel V DSGVO. Änderungen in der Akte: § 630f Abs. 1 S. 2 und 3 BGB, BGH VI ZR 84/19.