Praxisverwaltungssoftware mit KI-Modulen
CGM
CGM verteilt KI über DokuAssistent, Telefonassistent und Health Assistant und bindet Kunden per AGB an unverzügliche Updates. Zu den Betreiberpflichten schweigt der Anbieter, und eine kurze Verjährungsfrist macht den Regress gegen CGM im KI-Schadensfall schwierig.
Die Einordnung
§ 01Fünf Fragen, für jedes Tool dieselben
Dieselben fünf Fragen stelle ich an jedes Tool im Radar. Die Ampel zeigt, wie sauber sich CGM auf jeder Achse regulatorisch einordnet, nicht wie gut das Produkt medizinisch ist.
Selbstklassifizierung
KI ausgerollt, Pflichten nicht adressiert
Medizinprodukt / CE
DokuAssistent und Health Assistant einschlägig
Zweckbestimmung veröffentlicht
Nicht modulscharf veröffentlicht
Hosting & Datenfluss
Gemischt, Update-Pflicht als Zusatzfaktor
Ausgelöste Betreiberpflichten
Volle Last, Regress erschwert
Meine Einordnung
§ 02Was zählt, und was noch offen ist
Der DokuAssistent schreibt, Sie verantworten
CGMs DokuAssistent erzeugt Arztbriefe, die ohne ärztliche Prüfung nicht das Haus verlassen dürfen. Genau hier liegt die Betreiberpflicht: Ein KI-generierter Brief ist ein Entwurf, kein fertiges Dokument. Ohne dokumentierten Vier-Augen-Prozess wird aus einer Effizienzfunktion ein Haftungsrisiko.
Was im Ernstfall zählt
Eine große Hausarztpraxis versendet DokuAssistent-Briefe ohne systematische Kontrolle. Ein Brief fasst die Medikation falsch zusammen, ein Facharzt erhöht daraufhin eine Dosis, die der Patient nicht verträgt. Zivilrechtlich steht ein Behandlungsfehler mit Beweislastumkehr im Raum, dazu Verwaltungs- und berufsrechtliche Folgen. Der Regress gegen CGM scheitert, weil die AGB-Verjährungsfrist bereits abgelaufen ist. Die volle Haftung bleibt bei der Praxis.
Ihre Software, Ihre Haftung
§ 03Was die AGB regeln, und was nicht
„Der Kunde ist verpflichtet, zur Verfügung gestellte Updates unverzüglich einzuspielen. Unterlässt er dies, haftet CGM nicht für Schäden, die durch nicht eingespieltes Update verursacht wurden."
Was das bedeutet
Für KI ist das brisant. Veröffentlicht CGM ein Sicherheits- oder Compliance-Update für ein KI-Modul und Sie spielen es nicht sofort ein, haften Sie für die Folgeschäden allein.
Funktionen
§ 04Was das Tool tut, und wie es einzustufen ist
Nicht jede Funktion wiegt gleich schwer. Diese Übersicht trennt, was CGM kann, von dem, was davon in Ihrer Praxis Betreiberpflichten auslöst.
CGM one DokuAssistent
HochrisikoKI-gestützte Erstellung von Arztbriefen und klinischer Dokumentation aus Spracheingabe oder strukturierten Daten.
Medizinische Dokumentation direkt in der Patientenakte. Fehler beeinflussen Folgebehandlungen und begründen Haftung; automatisierte Verarbeitung besonderer Kategorien nach Art. 9 DSGVO.
CGM one Telefonassistent
Begrenztes RisikoKI-basierte Anrufannahme, Terminsteuerung und Patientenweiterleitung über natürlichsprachliche Konversation.
Administrativ, verarbeitet aber persönliche und ggf. medizinische Angaben. Fehlrouting bei Notfällen kann haftungsrelevant werden.
CGM Health Assistant
HochrisikoKI für klinische Prozesse (primär Kliniken): Analyse von Patientendaten und Unterstützung klinischer Entscheidungen.
CDSS-nahes System mit direktem klinischen Einsatz. Höchste Risikostufe nach Anhang III EU AI Act.
TURBOMED / M1 Pro (Legacy)
Begrenztes RisikoÄltere Praxissoftware-Linien erhalten KI-Features über Updates; ältere Systeme ohne Update können veraltete Modelle enthalten.
Die AGB verpflichten zum unverzüglichen Einspielen von Updates. Unterlassene Updates bei KI-Systemen können die Betreiberhaftung verschärfen.
Für Ihre Praxis
§ 05Was Sie konkret beachten
Die abstrakten Pflichten aus Art. 4 und Art. 26 EU AI Act, übersetzt auf den konkreten Einsatz von CGM.
- 01
KI-Kompetenz nach Art. 4 EU AI Act: Die Doctors-Days-Fortbildung deckt Betreiberpflichten und Haftungsrecht nicht ab. Sie brauchen eine separate, pro Mitarbeiter dokumentierte Schulung zu Funktionsweise, Grenzen und Risiken der genutzten Module.
- 02
Menschliche Aufsicht nach Art. 26 Abs. 2: KI-generierte Arztbriefe dürfen nicht ungeprüft versandt werden. Verankern Sie einen dokumentierten Vier-Augen-Prozess.
- 03
Eingabedaten prüfen nach Art. 26 Abs. 4: Klären Sie schriftlich, für welche Fachgruppen und Dokumentationstypen der DokuAssistent validiert ist und wo Schwächen liegen.
- 04
Protokollierung nach Art. 26 Abs. 6: Kombinieren Sie die Update-Pflicht mit dem Logging und dokumentieren Sie, welche Version zu welchem Zeitpunkt in Betrieb war.
- 05
DSFA nach Art. 35 DSGVO: Für DokuAssistent und Telefonassistent ist eine Datenschutz-Folgenabschätzung Pflicht; die kurze Verjährungsfrist macht frühe Dokumentation besonders wichtig.
- 06
Patienten informieren nach Art. 26 Abs. 7 und § 630c BGB: Wer mit dem Telefonassistenten spricht, muss vor Gesprächsbeginn wissen, dass er es mit einer KI zu tun hat.
Fazit
Betreiberpflichten bei IhnenCGM kombiniert breite KI-Funktionen mit AGB, die den Kunden binden und den Regress erschweren. Wer CGM-KI nutzt, sollte den Prüfprozess für KI-Dokumente, die Update-Dokumentation und die zeitnahe Fehlererfassung fest verankern. Die Verjährungsfrist macht Schnelligkeit bei der Dokumentation zum eigenen Schutzinstrument.
Die AGB-Zitate geben den Stand März 2026 wieder; maßgeblich ist die jeweils aktuelle Fassung Ihres Vertrags. Produkt- und Modulangaben stammen aus öffentlicher Anbieterkommunikation und werden vor der finalen Einordnung eigenständig geprüft und dem Anbieter zur Stellungnahme vorgelegt.
Unsicher, was CGM bei Ihnen auslöst?
Einmal sauber eingeordnet, dann sicher genutzt.
In einem 30-minütigen Gespräch klären wir, welche Funktionen bei Ihnen Betreiberpflichten auslösen und was Sie dokumentiert umsetzen müssen.