Kleiboldt Legal EngineeringKleiboldt Legal EngineeringErstgespräch

KI in der Zahnmedizin
Vom Röntgenbild bis zur Abrechnung.

Stand · EU AI Act i.d.F. der Digital-Omnibus-Verordnung (EU) 2026/1744
Kurzantwort

Röntgen-Befundungs-KI für Karies und Knochenabbau ist über MDR Rule 11 meist Medizinprodukt und damit Hochrisiko-KI nach AI Act. Die Befundverantwortung bleibt nach § 630a BGB beim Zahnarzt, vollständig und unteilbar.

Abrechnungs-KI ist kein Medizinprodukt, verschiebt aber die Verantwortung für eine korrekte Abrechnung nicht und berührt im Zweifel § 263 StGB. Die volle Betreiberpflicht nach Art. 26 AI Act greift für die MDR-Route ab 2. August 2028 (Digital Omnibus, VO (EU) 2026/1744).

Dental-KI ist 2026 in der Röntgenbefundung erstaunlich reif und wird aggressiv vermarktet. Entscheidend bleibt, wo Befundhilfe endet und Delegation beginnt, welche Zweckbestimmung das CE-Zertifikat abdeckt, und wie Sie Befundung und Abrechnung so dokumentieren, dass beide im Prüffall stehen.

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01Heute

Drei Dinge, die Dental-KI heute verlässlich leistet.

Röntgen-BefundungSysteme wie Diagnocat oder dentalXrai markieren auf Bissflügel, OPG und Einzelzahnaufnahmen Karies, apikale Läsionen und Knochenabbau. Als zweite Leseinstanz erhöhen sie die Detektionsrate und strukturieren die Befunddokumentation, ohne den zahnärztlichen Befund zu ersetzen.
BehandlungsplanungKI aus Intraoralscan und digitaler Volumentomographie unterstützt die Alignerplanung, die kephalometrische Analyse und die Implantatplanung. Das macht Planungsschritte schneller und reproduzierbarer, die Indikation bleibt zahnärztlich.
Abrechnung und RecallWerkzeuge zur Abrechnungsunterstützung schlagen Positionen nach GOZ und BEMA vor, Recall-Systeme steuern die Nachsorge. Das entlastet die Verwaltung spürbar, solange jeder Abrechnungsvorschlag vor der Einreichung fachlich geprüft wird.
02Grenzen

Drei Dinge, die in der Zahnmedizin nicht delegierbar sind.

Autonome Diagnose ohne ärztliche BewertungKein CE-zertifiziertes System ist für die autonome Diagnose zugelassen. Die KI-Markierung auf dem Röntgenbild ist Befundhilfe, nicht Befund. Wer sie ungeprüft übernimmt, erhöht sein Haftungsrisiko, weil ein Gericht genau nach der eigenverantwortlichen Befundung fragt.
Einsatz außerhalb der validierten IndikationEin für Bissflügel validiertes Tool darf nicht ungeprüft auf andere Aufnahmen oder Fragestellungen angewendet werden. Off-Label-Einsatz kann die Haftung sprengen und entzieht der Praxis den Schutz des CE-zertifizierten Rahmens.
KI-Kodiervorschläge ungeprüft abrechnenEin Abrechnungssystem schlägt vor, es verantwortet nicht. Wer GOZ- oder BEMA-Positionen ungeprüft übernimmt, riskiert Falsch- oder Überabrechnung bis hin zum Abrechnungsbetrug nach § 263 StGB. Die zahnärztliche Plausibilisierung bleibt Pflicht.
03Rahmen

Sechs Pflichten, die Sie vor dem Rollout aufsetzen.

Stand04.09.2026
FassungAI Act i.d.F. VO (EU) 2026/1744
WeiterPraxis und MVZ
Art. 26 AI Act, menschliche AufsichtAb 2. August 2028 gilt für Hochrisiko-KI über die MDR-Route die Pflicht zur wirksamen menschlichen Aufsicht (Digital Omnibus, VO (EU) 2026/1744). Der Zahnarzt muss die Grenzen des Systems kennen, den Output reproduzierbar prüfen und jederzeit überstimmen können. Das Review-Interface ist das eigentliche regulatorische Produkt.
Art. 4 AI Act, KI-LiteracySeit Februar 2025 ergreift die Praxis Maßnahmen, die die KI-Kompetenz aller Beteiligten unterstützen, Zahnärzte wie ZFA gleichermaßen, und hält sie fest. Maßgeblich ist die dokumentierte Maßnahme und ausdrücklich nicht ein bestimmtes Kompetenzniveau im Einzelfall. Relevant ist das Verständnis der Modellgrenzen in der Röntgenbefundung und der richtige Umgang mit Abrechnungsvorschlägen. Eine generische KI-Unterweisung genügt dem AI Act nicht.
MDR Rule 11, CE-KetteSoftware, die der Diagnose dient, fällt nach MDR Rule 11 in der Regel in Klasse IIa oder höher. Die Praxis als Betreiber darf nur CE-zertifizierte Systeme einsetzen, muss die Zweckbestimmung einhalten und mutmaßliche schwerwiegende Vorkommnisse nach § 3 Abs. 1 MPAMIV unverzüglich an das BfArM melden. Art. 87 MDR adressiert dagegen den Hersteller und ist für die Praxis der falsche Anker.
§ 263 StGB, Sorgfalt bei der AbrechnungKI-gestützte Abrechnung verschiebt die Verantwortung nicht. Über- oder Falschabrechnung auf Basis ungeprüfter Vorschläge kann den Tatbestand des Abrechnungsbetrugs berühren. Ein dokumentierter Prüfschritt vor jeder Einreichung schützt vor diesem unterschätzten Risiko.
§ 630a BGB, BehandlerhaftungDie Befundverantwortung bleibt zivilrechtlich beim Zahnarzt. Ein KI-Befund ist Diagnoseunterstützung und kein Delegationsmittel. Die Beweislastumkehr nach § 630h BGB kann sich verschärfen, wenn der Review-Schritt nicht dokumentiert ist oder das System außerhalb seiner Zweckbestimmung lief.
DSGVO, GesundheitsdatenRöntgenbilder, Scans und Behandlungsdaten sind Gesundheitsdaten nach Art. 9 DSGVO. Patient:innen sind über den KI-Einsatz zu informieren, vor Einführung ist eine DSFA nach Art. 35 zu erstellen, und die Übermittlung in außereuropäische Clouds braucht belastbare Garantien.
Art. 4 fragt nach Ihrem Team,
nicht nach einem Gutachten.
249 € (296,31 €) pro Person · Nächster Termin 13.01.2027, 19:00 bis 20:30 Uhr · CME-Akkreditierung in Vorbereitung

Was Sie hier über KI in der Zahnmedizin gelesen haben, hilft Ihnen bei der Entscheidung. Für die Pflicht selbst brauchen Sie etwas anderes, nämlich ein Team, das die Systeme versteht, und eine Dokumentation, die Ihre Maßnahmen dazu festhält. Genau das ist Modul 1 der CAVEAT Akademie, 90 Minuten live, mit Lernerfolgskontrolle und persönlichem Zertifikat für jede teilnehmende Person.

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06Autor

Daniel Kleiboldt

Legal Engineer · Jurist, LL.M., Software Engineer

Berät Arztpraxen und MVZ zu EU AI Act, DSGVO und Haftungsfragen beim KI-Einsatz. Lehrauftrag an der Hochschule Neu-Ulm (HNU).

Stand04.09.2026
FundstelleLegal Engineer
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